Star Trek Into Darkness

| Oliver Stangl |

Faster, Benedict! Kill! Kill!

Kinostart: 9. Mai

2009 hauchte J.J. Abrams (Alias, Cloverfield) der ikonischen, aber kreativ darniederliegenden Star Trek-Franchise mittels alternativer Timeline, jugendlich-attraktiver Besetzung und poppigem Retro-Design neues Leben ein. Auch wenn der Film insgesamt wenig Substanz vorzuweisen hatte, den Planeten Vulkan untergehen ließ und vor Logikfehlern nur so strotzte, war es überaus amüsant zu sehen, wie Kirk (Chris Pine), Spock (Zachary Quinto) und Co. einander milchgesichtig kennenlernen; für die alten Fans gab es jede Menge Insiderwitze, für die neuen mit One-linern garnierte Action. Die Basis für kommende Abenteuer war also geschaffen, die Vorfreude auf neue Erlebnisse der Mannschaft groß. Doch statt auf zwischenmenschliche Interaktion der Enterprise-Crew – eine der charmantesten Eigenschaften der Reihe – zu setzen, gibt es auch im neuen Film vor allem eines: Tempo, Tempo, Tempo. Und Action, Action, Action. Diesmal geht die Bedrohung vom gentechnisch  auf Übermensch getrimmten Terroristen John Harrison (eisig: Benedict Cumberbatch) aus, der Anschläge auf Einrichtungen der Sternenflotte verübt und dabei Kirks Mentor Pike (väterlich: Bruce Greenwood) tötet. Von Rache beseelt, macht sich Kirk mit der Enterprise auf, den Schurken zu eliminieren. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ausgestattet mit mysteriösen Torpedos, zur Verfügung gestellt von Admiral Marcus (schön sinister: Peter Weller). Dies wirft zwar moralische Fragen auf und bringt Konflikte innerhalb der Crew mit sich, doch werden diese Aspekte nicht vertieft; von den Figuren haben allenfalls Draufgänger Kirk und Logiker Spock (Pine und Quinto spielen wirklich gut) so etwas wie charakterliche Weiterentwicklung vorzuweisen.

Im Vorfeld war vor allem in Nerd-Kreisen heftig darüber spekuliert worden, ob sich Star Trek Into Darkness auf einen populären früheren Teil der Reihe beziehen würde, und tatsächlich gibt es einige Überraschungen (besonders hinsichtlich der von Cumberbatch gespielten Figur). Manche Sequenzen verarbeiten gar legendäre Momente der Trek-Geschichte 1:1 – bloß mit umgekehrten Vorzeichen. Dies alles ist durchaus clever, aber es mangelt an emotionaler Resonanz. Cumberbatch (seit der Serie Sherlock einer der begehrtesten britischen Schauspieler) ist als eiskalter Bösewicht grandios wie immer, doch lässt ihn das Drehbuch im Stich; die Motivation für seine Handlungen verliert sich im Phasergeballer. Schade auch, dass Crewmitglieder wie Dr. „Bones“ McCoy (der großartige Karl Urban) hier nur Stichwortgeber sind, allenfalls Uhura (Zoe Saldana) und Scotty (Simon Pegg) dürfen etwas intensiver mitmischen.

Um nicht zu harsch zu sein: Star Trek Into Darkness ist beileibe kein Fiasko, sondern kurzweiliges, professionell gemachtes und trotz des Titels sehr spaßiges Popcornkino. Doch überwiegt letztlich die Enttäuschung, dass hier bloß „more of the same“ serviert wird und kaum Weiterentwicklung stattfindet. Immerhin deutet das Ende an, dass der nächste Film wieder mehr von jenem Spirit haben könnte, der Star Trek ausmacht: To boldly go where no man has gone before.