Klammer – Chasing the Line

Filmkritik

Klammer – Chasing the Line

| Andreas Ungerböck |
Ein filmisches (Ski-)Wunder made in Austria: Andreas Schmieds liebevolles Heldenporträt

Es ist seit jeher ein Rätsel, warum in Österreich wichtige politische, soziale, sportliche Ereignisse so selten im aktuellen Filmgeschehen Platz fanden und finden. Selbst ein Niki-Lauda-Film musste im „Ausland“ gedreht werden. Immerhin, eine dieser vielen Lücken wurde nun auf famose Weise geschlossen: 45 Jahre (!) nach Franz Klammers Triumph in der Olympia-Abfahrt von Innsbruck gibt es nun dieses bis auf den englischen Zusatztitel höchst gelungene Porträt des großen Kärntner Ski-Haudegens (Interview mit Franz Klammer), in dem nahezu alles stimmt und alles so gemacht ist, wie man das von einer guten filmischen Heldensaga erwartet.

Das erste Plus ist, dass Andreas Schmied (Interview) und sein Team sich auf wenige Tage vor und nach dem historischen Ereignis beschränken. Das zweite ist, dass man beim Casting der relativ wenig bekannten Darsteller und -innen ein äußerst gutes Händchen hatte, und, noch wichtiger: ein gutes Ohr. Noch selten klangen österreichische Dialekte im Kino so echt. Aber der wahre Clou an der Klammer-Sache ist, dass man zum sportlichen Drama, das ohnehin schon aufregend genug ist, auch noch die sicherlich hollywoodesk überhöhte, aber tatsächlich sehr ergreifende Liebesgeschichte zwischen dem kernigen Naturburschen Franz und der höheren Tochter Eva hineingepackt hat, die, wie man ja weiß, bis heute verheiratet sind: ein echtes Traumpaar, und mit Julian Waldner und Valerie Huber hat man nicht mehr und nicht weniger als ein solches auch auf darstellerischer Ebene gefunden. Den beiden zuzuschauen, macht richtig Freude.

Aber auch die (sport)historische Komponente ist prima eingefangen. Von Klammers Abreise aus Kärnten bis zum auf Grund der mäßigen Trainingsleistungen kaum noch für möglich gehaltenen Triumph, vom gestrengen, kettenrauchenden Trainer Charly Kahr bis zum mächtigen Skifabrikanten Josef Fischer, der seinem Star unbedingt seinen neu entwickelten „Lochski“ aufzwingen will, von Heinz Prüller (herrlich gespielt von Harry Lampl) bis zum unfassbaren Druck seitens der Medien und der Öffentlichkeit, der auf Klammer lastete – es ist wirklich alles da, und es ist gut dosiert: Franzens nagende Selbstzweifel und seine Einsamkeit ebenso wie das alberne Geblödel mit den Teamkollegen, die abartigen goldenen Olympia-Anzüge (Klammer siegte dann in seinem alten gelben) ebenso wie diverse Ausprägungen der „österreichischen Seele“ und … ja, auch viel Humor.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich ähnlich couragierte Projekte mit anderen Heldinnen und Helden des Landes befassen. Die Liste ist lang – auch abseits des Sports.