Im Himmel ist auch Platz für Mäuse

Filmstart

Im Himmel ist auch Platz für Mäuse

| Ines Ingerle |
Optisch ansprechender Stop-Motion-Film, der Räume für inhaltliche Diskurse öffnet

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Welche Werte sind uns wichtig? Wodurch definieren wir uns? Wie überwinden wir unsere Traumata? Müssen wir alles alleine schaffen? Und: Was passiert, wenn sich Rollenbilder und gesellschaftliche Normen auflösen? Die Fragen, die Im Himmel ist auch Platz für Mäuse aufwirft, deuten nicht unbedingt darauf hin, dass es sich um einen Kinderfilm handelt. Das Stop-Motion-Werk nach dem gleichnamigen Buch der tschechischen Autorin Iva Procházková scheint es sich allerdings zur Aufgabe gemacht zu haben, sämtliche große Themen des Lebens zu behandeln und für Kinder ab sechs Jahren aufzubereiten. Dafür wird ein kleines Mäusemädchen namens Dalli auf eine besondere Reise geschickt: Dalli versucht, die mutigste Maus der Welt zu sein, seitdem ihr Papa bei dem Versuch, sie zu beschützen, von einem Fuchs gefressen wurde. Ganz so furchtlos, wie sie es sich wünscht, ist sie allerdings nicht und ihre Unfähigkeit, die eigenen Ängste zuzugeben und Unterstützung anzunehmen, macht es ihr schwer, Anschluss zu finden. Der Versuch, ihr Heldinnen-Dasein unter Beweis zu stellen, missglückt und endet in einem tödlichen Unfall. Dieses Ende ist allerdings erst der Anfang: Dalli findet sie sich im Himmel wieder, wo sie in unterschiedlichen magischen Szenarien nicht nur mit sich selbst und allerhand unterschiedlichen Tieren konfrontiert wird, sondern auch mit dem vermeintlichen Feind, einem Fuchs namens Weißbauch.

Gedreht mit mehr als 100 Puppen und 84 animierten, handgebauten Filmkulissen vermag Im Himmel ist auch Platz für Mäuse visuell zu entzücken. Die tierischen Charaktere des mehrfach preisgekrönten Films wirken so real, dass man am liebsten in die Leinwand hinein greifen und die großen Mäuse-Ohren streicheln, sich in das struppige Fuchs-Fell krallen oder dem Maulwurf die dicke Brille zurechtrücken möchte. Die Animation erinnert dabei an Wes Andersons Fantastic Mr. Fox, diverse filmhistorische Reverenzen – etwa der Bergwerksfahrt in Indiana Jones and the Temple of Doom – sind deutlich erkennbar. Dennoch findet man kein wildes Potpourri an geliehenen Ideen, sondern eine kreative Komposition aus kunstvollem Handwerk, liebenswerten Details und vielen subtilen Analogien auf unser irdisches Dasein als Menschen vor. Die optische Magie trägt über weite Strecken des Films auch sehr gekonnt darüber hinweg, dass die Dialoge streckenweise etwas platt und langatmig erscheinen und manche Tier-Stimmen in der deutschen Fassung sukzessive strapaziöser werden.

Im Himmel ist auch Platz für Mäuse ist nicht nur ein gestalterisch ansprechender Kinospaß für alle Altersgruppen, sondern öffnet auch inhaltliche Räume, die es ermöglichen, die angerissenen Themen mit Kindern zu besprechen.