Der Fantastische Mr. Fox

Filmkritik

Der fantastische Mr. Anderson

| Bettina Schuler |

Mit seinem neuen Film, „Der Fantastische Mr. Fox“, entführt Regisseur Wes Anderson das Publikum in ein ganz eigenes Universum.

Schon an der großartigen Musik erkennt man Filme von Wes Anderson. Ob Pop, Rock oder Jazz, bei Anderson sitzt jeder Song und passt immer exakt in die jeweilige Szene. Ganz gleich, ob er als Kommentar, als Spiegelbild der Emotionen oder einfach als rhythmische Unterstützung eingesetzt wird. Ähnliches gilt für Andersons Figuren: Es sind eigenartige und -willige Leute, die man allein an ihrer Kleidung sofort als skurrile Persönlichkeiten wahrnimmt.

So ist es auch bei Andersons erstem Animationsfilm, der nur auf den ersten Blick aus dem bisherigen Oeuvre des Regisseurs herausfällt. Denn die Adaption von Roald Dahls Kinderbuchklassiker „Der fantastische Mr. Fox“ ist in puncto Stil, Thema und Humor ein echter Anderson. Ein Eindruck, der sich durch die Schauspieler, die den Figuren ihre Stimme geliehen haben (mit Bill Murray, Jason Schwartzman und Owen Wilson zum Großteil aus der üblichen Anderson-Truppe), natürlich noch verstärkt.

Ebenfalls unverkennbar ist Andersons Liebe zum Siebziger-Jahre-Retro-Schick, der sich in Fantastic Mr. Fox sowohl im braunen Cordanzug des Titelhelden als auch in den warmen, braunstichigen Farben der Bilder wieder findet. Und so wundert es nicht, dass wie in The Royal Tenenbaums (2001) und The Life Aquatic with Steve Zissou (2004) auch hier wieder ein Übervater der Titelheld des Geschehens ist, der mit seiner Abenteuerlust und Arroganz seinem Sohn keinen Raum zum Atmen lässt. Auch wenn es sich in diesem Fall um keine menschliche Figur, sondern um einen Fuchs handelt.

Herr Fuchs kann es trotz seines beschaulichen Familienlebens einfach nicht lassen, seiner größten Leidenschaft, dem Diebstahl von Hühnern, zu frönen. Die Bauern der Umgebung fühlen sich dem entsprechend bemüßigt, Mr. Fox und seine Familie so schnell und nachhaltig wie möglich aus deren Fuchsbau zu vertreiben. Was wiederum gravierende Folgen für die ganze tierische Nachbarschaft mit sich bringt, da durch die brachialen Methoden der Bauern auch deren unterirdische Heime bedroht sind. Es folgt eine wahnwitzige Jagd, an deren Ende die Armen, symbolisiert durch die Tiere, den Sieg über die bösen menschlichen Kapitalisten davontragen, Vater und Sohn einander nach bestandem Abenteuer wieder glücklich in die Arme schließen. Auch das ist bei Anderson nicht neu, und es ist gut so: Denn nichts wäre schlimmer, als würde Wes Anderson etwas an seinem Stil ändern. Seine Filme, auch Fantastic Mr. Fox, leben von Sprachwitz, Sarkasmus und der Schnelligkeit der Dialoge, an denen selbst Ernst Lubitsch seine wahre Freude gehabt hätte.

Der Genuss dieses wie auch der übrigen Anderson-Abenteuer liegt weniger in der Handlung denn in der Inszenierung, im Retro-Charme, den hier die Stop-Motion-Technik versprüht, und in der Liebe, die selbst im kleinsten Detail der Ausstattung steckt. Nichts ist hier überflüssig, alles ist genau ausgesucht und ganz nach der postmodernen Erzähltradition ein buntes Sammelsurium von Popzitaten und Anspielungen. Und die Finesse, mit welcher der Fuchs sich immer wieder vor seiner Frau aus der Affäre zieht, ist vom Feinsten.

Und so gerät Fantastic Mr. Fox zu einem dieser Anderson-Filme, die man pfeifend, mit einem Lächeln auf dem Gesicht verlässt, und die sowohl den kleineren als auch den erwachsenen Zuschauern immer wieder ein Motto mit auf den Weg geben: Always look on the bright side of life.