Verdrängte Geschehnisse aus der Jugendzeit zwingen Adonis Creed, noch einmal in den Ring zu steigen.
Nach der 2015 kommerziell erfolgreichen und von Kritikern hochgelobten Neubelebung der Rocky-Reihe mit Creed und der ebenfalls profitablen Fortsetzung Creed II drei Jahre später geht die Kinoserie nun in die 9. Runde. Erstmals ohne Mitwirkung von Sylvester Stallone, der bei Creed noch als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert war. Erstmals Regie führt nun der Hauptdarsteller Michael B. Jordan, was wohl dazu beitrug, dass er in der Titelrolle diesmal weniger konzentriert und eindringlich wirkt als zuvor. Mehr als wettgemacht wird das durch die ambivalente Charakterdarstellung seines Antagonisten – immer, wenn Jonathan Majors auf der Leinwand erscheint, zieht er die Aufmerksamkeit auf sich. Er spielt einen verbitterten, von inneren Dämonen getriebenen Mann, der auf Vergeltung sinnt und nach Reichtum und Ruhm giert. Majors befindet sich auf einem beruflichen Höhenflug: Neben Creed III beeindruckt der 33-Jährige derzeit als Oberschurke Kang in Ant-Man and the Wasp: Quantumenia, Auftritte in neuen „Avengers“-Folgen sind angekündigt.
Adonis Creed ist als Boxpromoter und Gym-Besitzer tätig, residiert mit seiner liebevollen Gattin und Tochter in einem Luxusdomizil mit atemberaubender Aussicht – einmal mehr wird hier der „American Dream“ beschworen. Für verstörendes Erwachen sorgt sein nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassener Jugendfreund Damian (Majors). Als Teenager ein vielversprechendes Boxtalent, verlangt er nun Entschädigung für die verlorene Zeit und fordert von Adonis, ihn nicht nur in seinem Gym trainieren zu lassen, sondern ihm auch einen WM-Titelkampf zu vermitteln. Der Filmprolog und Rückblenden deuten an, dass Adonis wegen eines Delikts in Damians Schuld steht, was genau passiert ist, wird nicht ganz klar. Damian hat nie einen Profikampf bestritten, sein Ansinnen ist also völlig absurd, aber Hollywood macht es möglich: Er wird Champion (sein Gegner wird verkörpert von Teófino López, amtierender Weltmeister im Leichtgewicht) und provoziert Adonis, nach dreijähriger Pause noch einmal anzutreten …
Klischees gehören zum Boxfilmgenre, der weitere Handlungsverlauf ist vorhersehbar: Adonis’ Selbstzweifel, qualvolle Trainingssequenzen zu dröhnendem Soundtrack, ein Schicksalsschlag, erschütternde Niederschläge dann im Ring, Adonis in strahlendem Weiß gekleidet, Damian in Schwarz mit animalischem Auftreten, surreal anmutende Kampfszenen samt stilisiertem Happy End.
