Das gelungene neue Werk der Franchise schwankt zwischen Gefühl und Härte.
Adonis Creed, der Sohn von Rockys ehemaligem Gegner und Freund Apollo, ist jetzt WBA-Weltmeister und hat seiner Freundin Bianca erfolgreich einen Heiratsantrag gemacht, ein Baby ist auch unterwegs. Doch als er seinen Titel ausgerechnet gegen den Russen Viktor Drago, den Sohn von Ivan (kein Geringerer als Dolph Lundgren taucht hier wieder auf), der für den Tod seines Vaters verantwortlich war, verteidigen soll, tauchen Zweifel bei seiner Familie und bei seinem Coach Rocky auf, ob er dieses Risiko eingehen soll. Prompt verliert Adonis den Kampf gegen den wilden Schläger Viktor und wird dabei übel zugerichtet. Ein weiterer Rückschlag ist, dass seine Tochter ebenfalls mit der schweren Hörbehinderung ihrer Mutter geboren wird. Als Adonis ein quotenbringendes Rematch mit Viktor in Russland angeboten wird, muss er innere und äußere Widerstände überwinden, stellt sich aber nach einem harten Training der Herausforderung.
Nach sechs Filmen sehr unterschiedlicher Qualität über den kantigen Boxer Rocky, der Sylvester Stallones Karriere prägte und dem ersten Teil der Creed-Serie, in dem Rocky als Mentor und Coach des Underdog Fighter Adonis Creed auftritt, scheinen alle Themen mehr als ausgereizt. So überrascht Creed II auch weniger mit neuen Ansätzen als mit einer Rückkehr zu Qualitäten, die Rocky immerhin den Oscar als besten Film des Jahres 1976 einbrachte. Diese Ehre wird Creed II wohl nicht zuteil werden, aber der Film bestätigt die Abwendung vom Spektakelkino der späteren Rocky-Teile hin zu einem eher charakterorientierten Ansatz, der schon dem Vorgängerfilm zu einem Überraschungserfolg bei den Kritikern und an den Kinokassen verhalf.
Die Story kreist wie viele Sportlerfilme um die Konflikte, die gefährliche Sportarten in Familien auslösen können und die Fähigkeit, durch Durchhaltevermögen und Härte Rückschläge in Siege zu verwandeln. Die zwei teilweise sehr harten Boxskämpfe bilden zwar das dramaturgische Herz des Films, aber dazwischen schlägt Regisseur Steven Caple Jr. durchaus sanftere Töne an, etwa, wenn das Muskelpaket Adonis gleich nach der Geburt seine winzige Tochter in den Armen hält. Hauptdarsteller Michael B. Jordan bringt die nötige Sensibilität und Toughness für das Boxen und das Familiendrama mit, auch Sylvester Stallone überzeugt mit einer nuancierten Darstellung eines Mannes, der spürt, dass er bald das Endes seines Weges (wohl auch in der Franchise) erreicht hat. Das Story-Konzept ist jetzt nicht unbedingt auf Originalität ausgerichtet, der Boxteil ist sehr vorhersehbar, aber diese enge Anlehnung an Genrevorgaben stört nicht groß bei einem Film, der sich wohltuend zurückhaltend um diverse Vater-Sohn-Themen dreht und durchaus mögliche Russen – und Rassenklischees weitgehend vermeidet.
