I, Daniel Blake
I, Daniel Blake

Literaturtipp

Ken Loach – Gespräch über Kunst und Politik

| Stephan Eicke |
Britischer Filmemacher trifft französischen Romancier

Dieses Buch ist ein denk- und diskussionswürdiges Kuriosum. Bei den weniger als 80 Seiten mit zwei Einschüben, in denen sich Louis und Loach Fragen von Zuschauern stellen, handelt es sich um das Transkript einer Unterhaltung, wie sie 2019 auf Al-Jazeera ausgestrahlt wurde.

Der S. Fischer-Verlag verkauft diese Kritik am gierigen Kapitalismus nun gebunden für 18 Euro. Wer die Karriere von Ken Loach verfolgt hat, dürfte hier nur wenig Neues über seine Standpunkte erfahren – auf die Filme und seine Arbeit als Regisseur geht die Unterhaltung nicht ein, lediglich I, Daniel Blake wird gestreift. So ist das „Gespräch über Kunst und Politik“ erhellend nicht in Bezug auf den britischen Filmemacher, sondern auf den französischen Romancier und die Dynamik zwischen beiden. Auch wenn sich die Sozialisten über die Ausbeutung der Arbeiterklasse einig sind, so will Loach nicht auf die wenig differenzierten Verallgemeinerungen Louis’ eingehen. Letzterer enttarnt seine eigene Naivität, als er leidenschaftlich anmerkt, „niemandem“ zu wünschen, in einer Fabrik arbeiten zu müssen, ohne zu erklären, welche Art von Fabriken er meint. Damit erfüllt er jenes Klischee, dem Loach sich verweigert – das Klischee eines privilegierten Autors, der für ein paar Tage recherchiert und seinen Horror ob der körperlichen Anstrengung auf die Arbeiter projiziert hat. Loach merkt an, dass der Stolz nicht zu unterschätzen sei, den zahlreiche Arbeiter empfinden, einen wertvollen Gesellschaftsbeitrag zu leisten. Allein wegen derartiger Spitzen ist das Gespräch unbedingt lohnenswert.