Filmstart

The Second Act

| Jörg Schiffauer |
Quentin Dupieux beweist sein Gespür für hintersinnige Scherze

Für seine künstlerische Arbeit als Technomusiker hat sich Quentin Dupieux den Künstlernamen Mr. Oizo zugelegt, eine etwas ironisch abgewandelte Form des französischen Monsieur Oiseau, was sich mit „Herr Vogel“ übersetzen lässt. Ein Nom de Plume, das Dupieux auch für seine zweite Karriere verwenden könnte, denn als Filmemacher hat er sich als prononcierter Spaßvogel erwiesen – wenn auch mit einem Sinn für bizarren, oftmals abgründigen Humor. In seinem filmischen Œuvre finden sich etwa ein mordender Autoreifen (Rubber), merkwürdig agierende Polizisten, die ihre Wache ins Chaos stürzen (Au poste!) oder ein Möchtegern-Filmemacher, der eine Leidenschaft für seine Wildlederjacke und mörderische Umtriebe entwickelt (Le daim). In seinem schrägen Biopic Daaaaaali! lässt Dupieux den titelgebenden Meister des Surrealismus gleich von fünf Schauspielern verkörpern. Überhaupt herrscht in den Welten des Regisseurs und Drehbuchautors Quentin Dupieux eine skurrile Atmosphäre vor, die Raum für jeden auch noch so schwarzhumorigen, manchmal auch sehr blutigen, Scherz lässt. 

Eine Linie, die Dupieux auch in seiner neuen Regiearbeit The Second Act beibehält. Den dramaturgischen Rahmen bildet dabei eine der immer wieder beliebten Film-im-Film-Konstruktion. Zunächst vermeint man dabei, einer Inszenierung zu folgen, die sich um eine junge Frau namens Florence (Léa Sedoux) dreht, die ihrem Vater Guillaume (Vincent Lindon) unbedingt ihren neuen Lebensabschnittspartner David (Louis Garrel) vorstellen möchte. Der jedoch ist zu diesem Zeitpunkt der Beziehung längst überdrüssig und beabsichtigt seinen Kumpel Willy (Raphaël Quenard) mit Florence zu verkuppeln. Als Treffpunkt des Quartetts ist das im Nirgendwo gelegene Restaurant „Le Deuxième Acte“ auserkoren worden. Doch bereits auf dem Weg dahin treten die vier Darsteller wiederholt aus ihren Rollen hervor und machen deutlich, dass man eigentlich die Dreharbeiten zu einem Independentfilm beobachtet. Das Einziehen dieser Meta-Ebene bietet Dupieux ausreichend Spielfläche, um eine ganze Reihe höchst selbstironischer Pointen über das Filmgeschäft und seine Protagonisten zu setzen. Ob schlechte Arbeitsbedingungen, Eifersüchteleien, hochgestochene, von der eigenen Hybris befeuerte Karrierepläne, überzogene Political Correctness oder schlichtweg egozentrische Verhaltensmuster, nichts bleibt dabei von beißendem Spot verschont. Auch wenn das besagte dramaturgische Konstrukt gegen Ende ein wenig an Effektivität einbüßt, bereitet allein die sichtbare Lust, mit der Léa Sedoux und ihre Kollegen sich sowie ihre Branche veralbern, jede Menge Spaß.