Eine Beziehung der ganz seltsamen Art
Kaum etwas liebt die Filmbranche so sehr wie Arbeiten, die sich mit dem Metier selbst befassen und dabei als Hommage an das Kino, Filmemachen sowie den dabei entstehenden kreativen Prozess fungieren. Derartige Filme erfahren oft jede Menge Wertschätzung in Form von Auszeichnungen. Inwieweit das mit den Preisen sich im Fall von Le daim bewahrheitet, der neuen Regiearbeit von Quentin Dupieux, die international unter dem Titel Deerskin firmiert, bleibt einmal abzuwarten.
Dabei hat der Protagonist Georges (herrlich zurückgenommen von Jean Dujardin verkörpert) zunächst wenig Berührungspunkte mit der Kunstform Film. Sein ganzes Interesse gilt einer reichlich extravaganten Retro-Wildlederjacke, die er um sauteures Geld erwirbt und die bald zum Fetisch gerät. Er quartiert sich mit seinem Objekt der Begierde in einem abgelegen Hotel ein und beginnt mit einem alten Camcorder, den er vom Vorbesitzer der Jacke als Bonus mitbekommen hat, zu experimentieren. Im Bistro des angrenzenden Dorfs gibt er sich gegenüber der Kellnerin Denise (Adèle Haenel) als Filmemacher aus, der gerade an einem neuen Projekt arbeitet. Als Denise ihm eröffnet, nebenbei als Editorin zu werken, entsteht rasch eine Kooperation – auch weil Georges in der jungen Frau gleich eine Geldgeberin gefunden hat. Er übergibt Denise sein Filmmaterial, das sie überraschenderweise in seiner Schrägheit als Mockumentary mit Potenzial zu erkennen glaubt. Als sie jedoch prickelndere Szenen einfordert, wird Georges das auf eine ziemlich drastische Art zu erfüllen wissen.
Quentin Dupieux, der sich als Musiker im Fachbereich Elektro einen Namen gemacht hat, zeigt in seiner Arbeit als Regisseur einen ausgeprägten Sinn für bizarre Stoffe. Seine Inszenierungen scheren sich wenig um stringente Narrationen konventionellen Zuschnitts, Filme wie Rubber, Wrong oder Réalité konzentrieren sich vielmehr auf skurrile Charaktere und schwarzhumorige Absurditäten. Auch Le daim trägt diesem stilisitischen Prinzip in hohem Maß Rechnung, das für Dupieux typisch bedächtige Tempo entwickelt aber nach und nach eine Sogkraft, die den subversiven Charakter der Inszenierung zu unterstreichen versteht. Quentin Dupieux mag mit seinen eigenwilligen Regiearbeiten als Außenseiter in der gegenwärtigen Kinolandschaft gelten, doch wenn es eine Auszeichnung für die schrägste Liebeserklärung an das Filmemachen gäbe – Le daim wäre einer der heißesten Anwärter auf diesen Preis.
