Ein Blick hinter die Kulissen professionellen Kampfsports
Man erkennt ihn erst nicht. Es sind die schwarzen Haare, die Gesichtsprothesen, der gequälte Blick, die den Schauspieler gänzlich hinter der Maske verschwinden lassen. Einzig seine kolossale Statur, die sich mit Mühe ins Kamerabild presst, verrät, dass es sich hier um Dwayne „The Rock“ Johnson in der Hauptrolle handelt. Und noch etwas ist ungewöhnlich: In Benny Safdies The Smashing Machine demonstriert der bisher als unerschütterlich geltende Hollywood-Star, dass selbst ein Hüne wie er verletzlich ist und an der Last seiner selbst zerbrechen kann.
Basierend auf einer Dokumentation aus dem Jahr 2002 erzählt Safdie seine fiktive Version der Geschichte um den Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Mark Kerr (Johnson). Im Jahr 1997 ist er noch ein schier unbesiegbarer Champion, der seine Gegner erst in die Knie zwingt und dann draufschlägt, bis sie ausgezählt am Boden liegen. Aber kaum zwei Jahre später haben die unzähligen Kämpfe und das rigorose Training bereits ihren Tribut gefordert. Kerr greift zu Alkohol und stärkeren Mitteln, um die ständigen Schmerzen zu unterdrücken. Was der Film eindrücklich zeigt: Auch eine brutale Muskelmaschine ist außerhalb des Rings nur ein Mensch, der älter wird – und sturer. Mickey Rourke hat es ähnlich qualvoll in The Wrestler demonstriert.
Als Kerr zum ersten Mal in seinem Leben verliert, stürzt er in eine existenzielle Krise. Um wieder hochzukommen, muss er die Opioide in den Müll werfen und sich stattdessen bewusst mit den wichtigen Menschen in seinem Leben auseinandersetzen. Dazu gehört einerseits sein bester Freund, zeitweiliger Trainer und Kampfgegner Mark Coleman (Ryan Bader), der eine glückliche Familie hat, doch dafür weniger Muskeln. Doch Kerr sieht den Kern aller Probleme vornehmlich in seiner Beziehung zu Dawn (Emily Blunt). Obwohl er seine Freundin vergöttert, bekommt sie stets als erste den enormen Druck zu spüren, unter dem ihr Partner leidet. Ihre eigenen Selbstzweifel werden dabei lediglich angedeutet. Sowohl das Drehbuch als auch die Inszenierung konzentrieren sich ausschließlich auf Mark Kerr.
Benny Safdie vertraut gänzlich auf Johnsons darstellerische Naturgewalt. The Smashing Machine ist zudem weniger fiebrig, wild und frenetisch als Werke wie etwa Good Time oder Uncut Gems, die Safdie gemeinsam mit seinem Bruder Josh inszeniert hat. Vor einem entscheidenden Kampf in Japan erzählt Kerr einem Reporter, dass er all seine Sinne und Kräfte wie einen Laserstrahl auf seinen Gegner fokussieren muss, um zu gewinnen. Wenig später wird deutlich, was passiert, wenn diese Klarheit verschwimmt. Dem Film geht es ähnlich. Safdies Blick auf Kerr wird zunehmend weicher, melancholischer und angreifbarer.
