DRACULA__DIE_AUFERSTEHUNG

Filmstart

Dracula – Die Auferstehung

| Ralph Umard |
Missratene Adaption des berühmten Romans von Bram Stoker

Eine Kissenschlacht zweier herumtollender Liebestrunkener im fürstlichen Schloss. Doch dann wird es ernst: Prinz Vlad II., Graf von Dracul zieht anno 1480 mit einem Ritterheer in eine blutige Feldschlacht gegen osmanische Invasoren – und spießt dabei versehentlich seine über alles geliebte Prinzessin Elisabeta auf. 400 Jahre später herrscht er als greiser Untoter mit einer Meute munterer Gargoyles, den bekannten Fantasiewesen, über eine Burg in Transsilvanien und hofft sehnsüchtig auf die Reinkarnation seiner Elisabeta. Als er ihr Abbild zufällig auf einem Medaillon entdeckt, macht er sich, stark verjüngt nach einem Trinkgelage mit Nonnenblut, in Paris auf die Suche nach ihr.

Als „künstlerische Wiedergeburt“ bezeichnete Luc Besson seine neue Regiearbeit und inszenierte mit großem Budget eine aufwändig ausgestattete, epische Liebesgeschichte, zu der er auch das Drehbuch verfasste. Offensichtlich orientierte er sich dabei an Francis Coppolas Dracula aus dem Jahr 1992. Die extravagante Frisur und mumienhafte Maske des  wenig charismatischen Titeldarstellers Caleb Landry Jones sind Gary Oldman in der Rolle des blutgierigen Grafs nachempfunden. Mit Jones und Kameramann Colin Wandersman hatte Luc Besson schon bei DogMan (2023) zusammengearbeitet, ein kolossaler Flop an der Kinokasse. Und es sieht nicht so aus, als könne er mit dieser ambitionierten Großproduktion einen Hit landen. Einst war der heute 66-jährige Besson ein erfolgreicher Erneuerer des europäischen Films, inzwischen wirkt er kreativ ausgebrannt. Die substanzarme, episodische Handlung hangelt sich ohne große Spannungsbögen von Schauplatz zu Schauplatz. Die Chemie zwischen Jones und seiner Filmpartnerin Zoë Bleu, Tocher von Rosanna Arquette, stimmt einfach nicht. Abgesehen von der aufgekratzt agierenden Matilda De Angelis, die von Bessons Faible für exaltierte Frauenfiguren zeugt, lassen die anderen Darsteller kaum Spielfreude erkennen. Selbst Christoph Waltz agiert so desinteressiert, als würde er nur seinen Vertrag erfüllen.

Er sei „kein Fan von Horrorfilmen“, gestand Besson. Kein Wunder, dass sein Einstand in diesem Genre nicht gruselig wirkt und der Titelheld eher lächerlich als furchterregend. Immerhin hat der oft unabsichtlich komische, optisch opulente Bilderreigen mit grandioser Musikuntermalung genug Unterhaltungspotenzial, um unter dem Begriff „camp“ goutiert zu werden.