Hetzjagd auf eine g’schissene Münz’n
In Wien läuft nicht alles gut, aber vieles besser. Das war im Kern die Erkenntnis der ersten Staffel von Crooks. In der deutschen Heist-Serie trieb Showrunner und Regisseur Marvin Kren vor zwei Jahren das Erfolgsrezept seines Vorgängers 4 Blocks noch ein Stückchen weiter. Der Plan ging allerdings nur bedingt auf. Die Geschichte um die Jagd nach einer millionenschweren Münze erstreckte sich über verschiedene Schauplätze von Berlin über Wien bis nach Marseille. Wobei die Österreicher mit Abstand die originellsten Typen, Pointen und Tricks hervorbrachten. Schließlich stand Christoph Krutzlers stämmiger Kleinkrimineller Joseph Muckstein nach dem großen Showdown im dicken Pelzmantel und mit Retro-Shades in einem Hotelzimmer im georgischen Tbilisi und beendete die Gangster-Farce mit einem trockenen: „Gemma!“ – eine Fortsetzung schien unausweichlich.
Staffel zwei fügt sich nahtlos an das bisherige Geschehen an. Im Besitz der Münze sind zu Beginn Joseph und Nina (Maya Unger), eine Ex-Polizistin, die sich mit dem gestohlenen Goldtaler als Köder an einem russischen Mafia-Boss rächen will. Doch nach einer kurzen Schießerei ist sie selbst das erste Opfer in einem neuen Wettlauf gegen die Zeit, der – schnell zwei Jahre vorgespult – erneut den ehemaligen Tresorknacker Charly (Frederick Lau) und dessen Kleinfamilie ins Zentrum rückt.
Charly bleibt eine Woche, um die Münze ausfindig zu machen und nach Berlin zurückzubringen. Zielsicher fliegt er zu Joseph, der sich nach Bangkok abgesetzt und dort genug eigene Probleme hat. Aber sei’s drum, alte Freunde halten zusammen, und die spröde Chemie zwischen Lau und Krutzler ist immerhin eines der wesentlichen Elemente, die Crooks trotz Abstrichen sehenswert machen.
Das scheint auch Kren aufgefallen zu sein, der die Action in den sechs neuen Episoden zwar nicht zurückschraubt, aber doch zumindest ein bisschen Tempo rausnimmt. Dadurch bleibt mehr Raum für menschliche Zwischentöne und klassischen Gangster-Talk in alten Wiener Kaffeehäusern oder thailändischen Karaoke-Bars. Die eigenwillige Exotik Bangkoks bildet derweil einen schönen Kontrast zum gemächlichen Rhythmus in der österreichischen Hauptstadt und dem idyllischen Gasteinertal, wo die Geschichte diesmal ihre Nebenhandlungen findet. Lukas Watzl und Georg Friedrich als unfreiwillig gepaarte Ganoven geben diesem Segment der Serie den dringend nötigen Unterhaltungswert. Denn das sonstige Personal um Charly und Joseph ist eher mäßig geeignet, um hier irgendwie bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
