Filmkritik

A Million Ways to Die in the West

| Oliver Stangl |
In Seth MacFarlanes neuestem Streich halten sich Gähnen und Lachen die Waage.

Albert (Seth MacFarlane) ist Schaffarmer im Wilden Westen. Und er hasst den Wilden Westen. Gewalt, Krankheiten, mangelnde Hygiene – das ist nichts für jemanden, der die Dinge lieber friedlich und zivilisiert angehen will. Die Eltern haben nur Verachtung für ihn übrig, die Freundin verlässt ihn wegen eines Schnauzbartträgers, und als mit Anna (Charlize Theron) endlich eine ebenso hübsche wie schlagfertige Klassefrau in sein Leben tritt, will ihm deren Mann, der brutale Revolverheld Clinch (Liam Neeson), ans Leben. Im Grunde ist dies die bittere Geschichte eines einsamen Individuums, das an den Umständen verzweifelt.

Doch spielt Seth MacFarlane, Experte für Fäkalhumor und Schöpfer von Hits, wie der Dirty-Teddy-Comedy Ted und der satirischen TV-Serie Family Guy, nicht nur die Hauptrolle, er hat auch am Drehbuch mitgeschrieben und die Regie besorgt. Ganz so trostlos kann der Film also nicht sein, oder? Zumal sich Mel Brooks’ Blazing Saddles (1974) als Vorbild verorten lässt – ein Werk, das seinerzeit wegen seiner Mischung aus derbem Humor, Anachronismen und Rassismuskritik für Furore sorgte. MacFarlane bedient sich ebenfalls dieser Zutaten und erweitert sie noch um eine Prise Splatter und bizarrer Todesarten. Dazu kommt ein wenig Satire auf eine bigotte, kapitalhörige Gesellschaft. Doch in A Million Ways – der eine Weile braucht, um in Gang zu kommen und bei rascheren Bewegungen der Schauspieler zuweilen einen schlierigen Videolook aufweist – finden sich zu viele Witze, die danebengehen oder einen ziemlichen Bart haben: So ist Alberts einziger Freund Edward (Giovanni Ribisi) mit der Saloonhure Ruth (Sarah Silverman) zusammen, die von 15 Typen pro Tag durchgefickt wird – doch die beiden Christen leben privat selbstverständlich enthaltsam. Auch der Umstand, dass die Figuren sich der Sprache unserer Gegenwart bedienen, wirkt öfter gezwungen als amüsant.

Apropos Bart: Neil Patrick Harris als Herrscher über ein Moustache-Imperium (Wichsen und Pflegen eines Schnauzers kosten viel Geld, weshalb Albert auch keinen hat) hat ein paar amüsante Momente – besonders, als er zur Entleerung seines Darms die Hüte von Passanten heranzieht. Am besten funktioniert der Film, wenn die großartige Charlize Theron die Szene betritt – sie gibt die Kumpelfrau ebenso überzeugend wie die sexy Geliebte, die Komödiantin wie die Meisterschützin. Liam Neeson hat Vergnügen an seiner Schurkenrolle, allerdings wird er zu selten eingesetzt. Wirklich genial sind zwei Cameo-Auftritte von Figuren aus anderen Filmen. Hier darf dann wirklich herzhaft gelacht werden.