Das Jogjakarta NETPAC Asian Film Festival begeht seine 19. Ausgabe.
NETPAC ist das „Network for the Promotion of Asia-Pacific Cinema”, eine rührige und traditionsreiche Organisation, deren ursprüngliche Aufgabe, wie der Name verrät, es war, Filme aus dem asiatisch-pazifischen Raum bei internationalen Festivals zu lancieren, zu begleiten und auch über deren Erfolge zu berichten. NETPAC vergibt bei zahlreichen internationalen Festivals seinen unter asiatischen Filmschaffenden hoch geschätzten Preis, der für viele ein Sprungbrett zu Größerem war. Das Promoten asiatisch-pazifischer Filme ist heute zwar nicht mehr unbedingt notwendig, denn asiatische Filme und deren Herstellende sind von den Filmfestivals dieser Welt nicht mehr wegzudenken und haben eine schiere Unzahl von Preisen in Berlin, Cannes, Venedig und anderswo abgeräumt, aber als Plattform zur Vernetzung und internationalen Zusammenarbeit ist NEPTAC nach wie vor unerlässlich.
Das Asian Film Festival im indonesischen Jogjakarta (JAFF) ist so etwas wie die Homebase von NETPAC und alljährlich Treffpunkt von Mitgliedern der Organisation aus aller Welt. Dieses Jahr werden die Begegnungen im Zeichen des Abschiednehmens und der Erinnerung stehen, denn im September 2024 ist Aruna Vasudev, die legendäre Mitbegründerin und langjährige Präsidentin von NETPAC, und für viele „the Mother of Asian Cinema“, im Alter von 88 Jahren verstorben. Nicht zuletzt gründete Aruna Vasudev auch die Zeitschrift „Cinemaya“, das erste kontinuierlich erscheinende Medium, das sich vierteljährlich und ernsthaft mit dem asiatischen Kino auseinandersetzte. Eine Gedenkveranstaltung wird Vasudev und ihr umfangreiches Schaffen würdigen.
Präsident des Festivals ist seit Jahren der international wohl bekannteste indonesische Regisseur, Garin Nugroho (Letter to an Angel; Leaf on a Pillow; A Poet). Sein Team hat ein umfangreiches Programm erstellt. Es hat einerseits einen starken lokalen Schwerpunkt und bringt zahlreiche Premieren von indonesischen Filmen – ein Filmschaffen, das leider in der globalen Filmverwurstung allzu selten berücksichtigt wird, sieht man von Brachial-Actionkrachern wie The Raid und Headshot oder Horror-Spektakeln wie Satan’s Slaves ab. Auch einige restaurierte historische indonesische Filme werden zu sehen sein. Zum anderen setzt man bei JAFF auf die asiatischen Festivalrenner des Jahres, die zum Teil auch bei der Viennale zu sehen waren, wie Guan Hus Black Dog, Neo Soras Happyend, Kuno Yokos und Yamashita Nobuhiros Anime Ghost Cat Anzuoder Kurosawa Kiyoshis Cloud. Erfreuliche Wiederaufführungen gibt es von zwei famosen Hongkong-Klassikern, John Woos Actionfilm Hard-Boiled (1992) und Peter Chans bittersüßer Romanze Comrades – Almost a Love Story (1996) mit Maggie Cheung und Leon Lai. Schließlich wird der taiwanesische Meister Tsai Ming-liang eine Masterclass halten.
Eine wichtige Neuerung ist, dass es erstmals einen Film- und Projektmarkt geben wird. Wie bei ähnlichen Veranstaltungen anderswo geht es auch hier vorrangig um die Zauberformel „Streaming-Content“. Auch die ständig wachsende Zusammenarbeit innerhalb des asiatischen Filmbusiness wird im Fokus stehen.
Was wäre ein Filmfestival ohne Preisverleihungen? Der Hauptpreis in Jogjakarta ist der Hanoman Award für die Filme etablierter Filmschaffender und aufstrebender Nachwuchstalente. Für den Gewinnerfilm gibt es einen Goldenen, für den Zweitplatzierten einen Silbernen Hanoman. Benannt ist der Preis – wie auch das Freundschaftsprogramm des Festivals – nach dem populären hinduistischen Affengott. Weiters wird der NETPAC Award für erste und zweite Filme verliehen, der Blencong Award für den besten asiatischen Kurzfilm, der Indonesian Screen Award in fünf Kategorien, der Geber Award (auch er für lokale Filme) und schließlich der Student Award – vergeben, passenderweise, von Filmstudierenden in Jogjakarta.
