All the Boys Love Mandy Lane

| Alexandra Seitz |

Sechs junge Leute fahren übers Wochenende auf eine abgelegene Ranch. Was als Party beginnt, endet als Gemetzel.

Mandy Lane ist eine Schönheit. Eine unnahbare Jungfrau. Das begehrteste Mädchen der High School. Die Jungs verdrehen sich die Köpfe nach ihr. Sie sind hinter ihr her wie der Teufel hinter der armen Seele. Sie umschwärmen sie wie die Fliegen. Mandy Lane – die Herrin der Fliegen! Oder doch „nur“ ein melancholischer Todesengel?

Es ist nämlich noch nicht lange her, da sprang einer von Mandys Verehrern bei einer nächtlichen Party vom Dach und verfehlte den Swimming Pool. Natürlich war Alkohol im Spiel, aber auch die provozierenden Sticheleien von Mandys bes-
tem Freund Emmet. Das schreckliche Ereignis zu Beginn von All the Boys Love Mandy Lane wirft einen langen Schatten auf das, was folgt. Denn bald schon steht die Frage im Raum, wer die jungen Leute, die auf eine abgelegene Ranch gefahren sind, um ein Wochenende lang Party zu feiern, einen nach dem anderen auf reichlich blutrünstige Weise ins Jenseits befördert? Die Frage nach dem Warum dagegen stellt sich nicht: Drei Jungs, drei Mädchen, Bier, Wein, Koks, Dope, Anzüglichkeiten und doppeldeutiges Geflachse sind für einen Slasher-Film, der etwas auf sich hält, schließlich eine Menge Gründe, um den Sündenpfuhl im texanischen Outback möglichst umgehend trocken legen zu wollen.

Doch obwohl Jonathan Levines Spielfilmdebüt wie ein traditioneller Vertreter des Genres erscheint, der in seiner Prä-Scream-Ernsthaftigkeit sogar an dessen Sternstunden anknüpfen kann, verhält sich die ganze Sache um einiges komplizierter und beweist damit den zeitgemäßen Charakter des Werks. Narrativ wie stilistisch knüpft All the Boys Love Mandy Lane an Filme wie Sofia Coppolas The Virgin Suicides (1999) oder Gus Van Sants Elephant (2003) an. Wie diese nimmt er die depressiv-suizidale Befindlichkeit seiner jugendlichen Protagonisten, ihre Gesellschaftsferne und Vereinzelung ernst. Kameramann Darren Genet bildet diese spezifische seelische Disposition als tranceartigen Sinnesrausch ab, induziert von der schwülheißen Atmosphäre eines drogengeschwängerten Tages im Grünen. Und letztlich machen auch nicht Drogen und Sex die sechs jungen Leute zu Opfern, sondern ihre aus Hedonismus, Erfolgsdruck und Gruppenzwang entstandene Egozentrik. So nimmt das Unheil eben seinen Lauf. Bis zur spektakulären Selbstermächtigung der Heldin – die damit nicht nur diesen einen Slasher-Film, sondern überhaupt die Rolle sexueller Unschuld im Genre endlich vom Kopf auf die Füße stellt.