Eine turbulente Beziehung
Was machte die Persönlichkeit von Alma Mahler-Werfel (1879-1964) aus? Ihre künstlerische Begabung? Oder doch eher ihre sinnliche Schönheit, die zahlreichen Künstlern, darunter auch dem Komponisten Alexander Zemlinsky und dem Architekten Walter Gropius, den Kopf verdrehte?
Dieter Berners Alma & Oskar nach Hilde Bergers Roman „Die Windsbraut“ gibt darauf ebenso wenig eine Antwort wie auf die Frage, warum der Regisseur unter den zahlreichen Männern in Almas Leben den Maler Oskar Kokoschka ins Zentrum gerückt hat. Zwar mag man – sowie der Expressionist der Muse der Wiener Secession verfällt, kaum dass er sie nach Mahlers Tod 1910 kennenlernt – von einer Amour Fou sprechen. Ob diese Beziehung ihr in ihrem ausschweifenden Liebesleben die größte Erfüllung beschert haben mag, erscheint indes fraglich. Das fängt schon damit an, dass die große Leidenschaft zwischen Alma (Emily Cox) und Oskar (Valentin Postlmayr) nur eine Behauptung bleibt, da die Beziehung in überwiegend kurzen Szenen keine Intensität entfaltet, von sublimer Intimität ganz zu schweigen. Eine erotische Spannung baut sich mithin zwischen den Darstellern nicht auf. Dafür sieht man Alma häufig beim Sex, sowohl mit Oskar als auch Walter Gropius, mit dem sie sich ganz nebenbei verlobt.
Bei alledem erschließt sich schwerlich, warum die Heldin dem Begehrten mehrfach vor den Kopf stößt, ohne dass es einen erkennbaren Grund dafür gäbe. Ist das ihr Verständnis von Emanzipation, wenn sie Oskar im Beisein anderer Verehrer demonstrativ abserviert, um seine Eifersucht zu wecken? Er, Oskar, scheint dagegen treu, ganz und gar auf seine Alma fixiert.
In Gustav Mahler (Marcello De Nardo) ließe sich dagegen eine einflussreichere Person in Bezug auf das Leben der Musikerin ausmachen, auch wenn er sich für das Wirken seiner Frau nicht interessiert. Jedenfalls beschäftigt Alma nach seinem Ableben nichts mehr als die Uraufführung seiner Neunten Sinfonie. Auf ihre eigenen Kompositionen befragt, bedauert sie einmal, sie höre innerlich immer nur Mahler und merke, dass sie ihn in ihren Werken kopiere. Immerhin schrieb sie aber doch zahlreiche eigenständige Lieder, die allerdings in Berners Inszenierung– so wie die Komponistin viel zu kurz kommt – bis auf einen einzigen Titel keinen Raum finden. Zumindest orientiert sich Alma & Oskar weitgehend an historischen Fakten. Als Porträt einer Künstlerin und als Liebesgeschichte bleibt der Film gleichwohl zu blass.
