Die 17. ethnocineca in Wien zeigt eine faszinierende Bandbreite an filmischen Ausdrucksweisen und widmet sich Themen des gesellschaftlichen Wandels
Das größte österreichische Festival, das sich ausschließlich dem Dokumentarfilm und dem ethnographischen Film widmet, begeht vom 4. bis 11. Mai unter dem Leitmotto „Liminalities“ seine nunmehr 17. Ausgabe, wie gewohnt an den Spielorten Votiv Kino, De France und Brunnenpassage. In fünf Wettbewerbssektionen (prämiert werden der beste internationale Lang- und Kurzfilm, der beste österreichische Film, der beste Nachwuchskurzfilm und der beste ethnographische Film) werden Einblicke in das Weltgeschehen abseits gewohnter Schlagzeilen und in die Entwicklung zeitgenössischen Dokumentarfilmemachens gewährt, an den acht Festivaltagen sind insgesamt 48 Filme aus 41 Produktionsländern zu sehen – nicht weniger als 35 davon als Österreichpremieren.
Nicht immer unterliegt die Form der dokumentarischen Werke sachlicher Strenge: Mit dem diesjährigen Beitrag Lombard (The Pawnshop) etwa gelingt Łukasz Kowalski (der anwesend sein wird) vor einem tristen gesellschaftlichen Hintergrund – dem titelgebenden größten Pfandleihhaus Polens in der einstigen Industriestadt Bytum droht der Konkurs – eine herzhaft-witzige Doku-Komödie. Auch der Eröffnungsfilm des Festivals ist nicht nur aufschlussreich, sondern ebenso ausdrucksstark und unterhaltsam: Der armenische Film 5 Dreamers and a Horse ist ein humorvolles, traum-haftes Porträt eines Landes im Wandel.
Überhaupt steht das Thema der diesjährigen ethnocineca für eine Beschäftigung mit Übergangsphasen und Zwischenräumen. In vier Fokusprogrammen verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Fiktion, Inszenierung und Dokumentation – etwa im Dok-Leipzig-Gewinner Anhell69 von Theo Montoya oder Tea Lukačs Koreni –, werden sowohl Fluchterfahrungen – zum Beispiel in Nous Autres von Laurenz Van Lancker, der auch eine Masterclass halten wird – als auch Eltern-Kind-Beziehungen – wie in Cloudy Memories (R: Isabella Friedl) oder Une vie comme une autre (R: Faustine Cros) – in den Blick genommen, und auch Mensch-Natur-Beziehungen ergründet, Letzteres u. a. in All of Our Heartbeats Are Connected Through Exploding Stars von Jennifer Rainsford (jenem Film, der auch im Festivalsujet zu bewundern ist).
