Einfühlsame Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Sterbedrama
Krankheit und Sterben sind keine leichten Themen – besonders dann, wenn es um junge Menschen geht. Selten schauen deshalb Regisseure so unerbittlich hin wie Andreas Dresen in Halt auf freier Strecke, feiern stattdessen vielfach gerade angesichts der Vergänglichkeit die Schönheit des Lebens. Am Ende steht zwar meist der Tod, doch die vorangehenden Schmerzen und das erschütternde Dahinvegetieren werden ausgespart.
Dies gilt auch für Ian Fitzgibbons Adaption von Anthony McCartens Jugendbuch „Superhero“. „Nur“ der kahle Kopf und der abgemagerte Körper zeugen von Strahlenbehandlung und Chemotherapie, die der 15-jährige krebskranke Donald hinter sich hat, davon abgesehen wirkt er aber gesund. Innerlich frei-lich wühlt ihn das Wissen auf, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Immer wieder spielt er mit dem Tod, vor allem aber verarbeitet er seine Gefühlswelt in Comiczeichnungen. In dieser düsteren Parallelwelt ist er der Superheld, dem ein Verbrecher nach dem Leben trachtet. Gleichzeitig spiegelt sich in der fehlenden Beziehung des Helden zu einer Frau die persönliche Situation des pubertierenden Teenagers. Gegen die Außenwelt hat er sich abgeschottet, rebelliert gegen die besorgten und überforderten Eltern, gegen die Psychiater, zu denen er geschickt wird, und gegen die Schule. Doch dann lernt er in der neuen Mitschülerin Shelly eine Seelenverwandte kennen.
Eindrücklich vermittelt Regisseur Fitzgibbon, der aus produktionstechnischen Gründen die Handlung von Neuseeland nach Irland verlegte, in der Mischung von Realszenen und bildstarken Animationssequenzen, die teilweise direkt in die Realhandlung übergehen, Donalds psychische Verfassung. Ganz auf diesen, von Thomas Brodie-Sangster einfühlsam gespielten Protagonisten fokussiert Death of a Superhero. In jeder Szene ist er präsent, er hält den Film zusammen. Nicht weniger überzeugend ist an seiner Seite Aisling Loftus als Shelly, zu sehr als stets verständiger väterlicher Freund ist dagegen Andy Serkis’ Rolle des Psychiaters angelegt.
Die Schauspieler helfen diesem Mix aus Coming-of-Age-Geschichte und Sterbedrama auch über die teilweise etwas sprunghafte Szenenfolge hinweg, bei der witzige Momente dem ernsten Thema den Stachel ziehen und für Leichtigkeit sorgen. Andererseits lässt gerade diese Herangehensweise Death of a Superhero nicht in Rührseligkeit abgleiten, verleiht ihm Frische, macht ihn berührend und zur zwar altbekannten, aber dennoch überzeugenden Aufforderung im Augenblick zu leben.
