Filmkritik

American Assassin

| Pamela Jahn |
Ein Schuss in den Ofen

Mitch Rapp (Dylan O’Brien) will nur eins: Vergeltung. Pausenlos trainiert, studiert und konzentriert er sich darauf, den Mörder seiner Verlobten zu töten, die vor achtzehn Monaten bei einem blutigen Terroranschlag am Strand von Ibiza von Dschihadisten erschossen wurde. Als ihm die CIA bei der Erfüllung seiner Mission im letzten Moment in die Quere und gleichzeitig zu Hilfe kommt, ist Rapp zwar zunächst sichtlich wenig begeistert, lässt sich am Ende aber doch für das unkonventionelle Nachwuchsagenten-Programm unter Ex-Militär Stan Hurley (Michael Keaton) rekrutieren, für das ihn die engagierte Geheimdienstchefin Irene Kennedy (Sanaa Lathan) nach gründlicher Beschattung schon seit längerem im Auge hatte. Unter dem Drill des rabiaten Kriegsveteranen lernt Rapp, was es heißt, im Gefecht mit dem Feind stets die Oberhand zu behalten („You flinch, you die!“) und erfahrungsgemäß dauert es nicht lange, bis sich dem drahtigen Sturkopf die erste angemessene Gelegenheit bietet, seine wahre Kämpfernatur unter Beweis zu stellen: Denn nachdem es einen ehemaligen Kadetten aus Hurleys Killerkommando offensichtlich auf die falsche Seite verschlagen hat, sollen ihn der alte Profi und seiner neuester Rekrut schließlich außer Gefecht setzen und damit gleichzeitig die Zündung einer Atombombe verhindern, die der unter dem Decknamen „Ghost“ (Taylor Kitsch) operierende Delinquent angeblich für seine Auftraggeber aus dem Nahen Osten zusammengebastelt hat.

Wem allein die hier kurz umrissene Prämisse zu absurd und dämlich erscheint, um sich dafür zu begeistern, dem sei verziehen, wenn er sich American Assassin im Kino entgehen lässt. Abgesehen von Michael Keaton, der noch in den übelsten Folterszenen mit Abstand den größten Spaß an der Sache zu haben scheint, macht O’Brien seinem ersten Einsatz als Bourne-Verschnitt zwar alle Ehre. Aber letztendlich hat auch er dem (trotz zahlreich beteiligter Autoren) hoffnungslos schwachen Drehbuch voller haarsträubender Sprüche („The enemy dresses like a deer and kills like a lion.“), vorhersehbarer Twists und bestenfalls solider Kampf- und Stuntszenen zu wenig Charakter entgegenzusetzen, um auch nur annähernd eine dauerhafte Form von Superagenten-Charme zu versprühen. Was eigentlich schade ist, weil man dem Maze Runner-Teen Star einen erfolgreichen Sprung in die nächste Action-Franchise durchaus gewünscht hätte. Doch obgleich es Vince Flynn, der die literarische Vorlage zum Film lieferte, gelungen sein mag, aus seinem fadenscheinigen Helden mittlerweile tatsächlich eine ganze Buchreihe zu stemmen, dürfte ein Leinwandsequel in diesem Fall als eher unwahrscheinlich gelten – zumindest hofft man das.