Ungeschönte Dokumentation über Aufstieg und Fall einer Ausnahmekünstlerin
Als Sängerin war sie ein Naturtalent, ihr Leben bekam sie nicht in den Griff. Mit nur 27 Jahren verstarb Amy Jade Winehouse am 23. Juli 2011 mit mehr als vier Promille Alkohol im Blut – früh verschlissen durch Starrummel und Drogensucht, wie zuvor schon die Ikonen Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison und Kurt Cobain, die merkwürdigerweise alle im Alter von 27 Jahren den Tod fanden.
Dem am Royal College of Art ausgebildete Londoner Filmemacher Asif Kapadia (Interview), bekannt vor allem durch sein mehrfach ausgezeichnetes Porträt des ebenfalls tragisch ums Leben gekommenen brasilianischen Rennfahrers Ayrton Senna, ist es gelungen, aus rund hundert Interviews mit Familienangehörigen, Freunden, Fans, Leibwächtern, Managern und Produzenten sowie Fotos, Archivfilmbildern, Konzert- und Home-Movie-Aufnahmen ein chronologisches, dramaturgisch kohärentes, facettenreiches, emotional bewegendes Filmpor-trät zu zeichnen. Im Gegensatz zu früheren Fernsehproduktionen, wie etwa jene von Andreas Kanonenberg für die ARD gefertigte, die überwiegend die Köpfe seiner Interviewpartner zeigt, wobei sich die Eltern in positivem Licht darstellen, verzichtet Kapadia auf Talking Heads. Seine Interviewpartner kommentieren das Geschehen aus dem Off, die Protagonisten kommen in Archivaufnahmen zu Wort. Dazu werden Namen und Songtexte eingeblendet. Auch sind Tagebucheintragungen und Skizzen von Amy Winehouse zu sehen, wie im vergleichbaren Filmporträt Cobain: Montage of Heck.
Die Winehouse-Familie hatte Asif Kapadia bei seinem Projekt voll unterstützt, distanzierte sich aber nach Sichtung des fertigen Films. Amys Vater Mitch wurde vor der Premiere in Cannes mit den an Kapadia gerichteten Worten „You should be ashamed of yourself“ zitiert. Anders als das tendenziell verklärende Porträt von Kanonenberg ist Kapadias Darstellung objektiver und wirkt gegen Ende richtiggehend gruselig. Der notorisch publicitiy-hungrige Vater, der beim Drogenentzug seiner Tochter auf der Karibik-Insel Santa Lucia mit einem TV-Team aufkreuzte, macht hier keinen so guten Eindruck.
Wiederholte Aufnahmen von einer sichtlich unter dem Einfluss von Substanzen gezeichneten Amy im blendenden Blitzlichtgewitter der Paparazzi machen den Medienhorror, unter dem die Sängerin zu leiden hatte, nachvollziehbar – am Ende hinterlässt Amy ein beklemmendes Gefühl.
