Aufgeben tut man nur einen Brief, oder: Gegenkultur für Reiche
Nach Sprengung spektakulär in sich zusammenfallende Kodak-Fabriksgebäude, Zermalmung eines Fotoapparats, Menschen mit Smartphones und ein Voiceover, das den vorläufigen Tod des Analogen kontextualisiert – ein gelungener Prolog. Leider war es das dann mit dem audiovisuellen Zusammenlaufen der verschiedenen verhandelten Ebenen, was folgt, ist klassische Dokumentation.
Das unmögliche Projekt ist jenes, das Florian „Doc“ Kaps großteils tatsächlich gelang: Der Biologe mit überzeugter Leidenschaft für Entschleunigung und den Wert des Haptischen rettete 2009 die allerletzte Polaroid-Fabrik der Welt vor dem Abriss und begann, das Revival der Sofortbildkamera in die Wege zu leiten. Natürlich sind die Wege steinig, die chemische Zusammensetzung der Filme ist hochkomplex und erweist sich schnell als größte Tücke. Irgendwie schaffen es Doc und sein Team trotzdem, am Markt zu bestehen. Großen Anteil daran haben ein junger Mann namens Oskar Smolokowski, der nach nicht allzu langer Zeit an die Spitze der neuen Firma Impossible tritt, und dessen Vater, der eine bitter nötige Finanzspritze gewährt – dass jene aus dem Wohlstand kommt, den er mit Ölgeschäften lukriert hat, wird als eher unromantisches Detail ausgespart.
Dr. Kaps selbst verlässt das Unternehmen – wie (un)freiwillig, wird nicht genau erläutert –, doch der Film An Impossible
Project verlässt seinen Protagonisten nicht. Zwar werden die Impossible-Entwicklungen weiterhin verfolgt, doch eigentlich geht es nur mehr um den ulkigen Wiener, der sich gegen den Zeitgeist stellt. Seinen Lieblingsfleischer kennen wir schon, als im Folgenden sein neue Herzensangelegenheit vorgestellt wird: Supersense, ein Geschäft mit den „world’s most analog products“. Dass besagter Laden in der Praterstraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk geradezu ein Paradebeispiel für Gentrifizierung darstellt, ist nicht wenig Ironie. Dem Doc ist es aber weiterhin äußerst ernst. Und so wird er tatsächlich vom Facebook Analog Research Lab ins Silicon Valley eingeladen, das nächste spannende Projekt bahnt sich an …
Informativ ist An Impossible Project allemal. Schade ist, dass sich Jens Meurers Film teilweise den Mechanismen eines Marketing-Videos anbiedert, anstatt den Einblicken in eine wirtschaftliche Erstaunlichkeit, die sich der gnadenlosen Ordnung des Marktes zumindest ein bisschen widersetzt, ernsthafter nachzuspüren. Viel stärker als über die große Idee von Impossible berichtet der Film von einer Einzelperson. Diese One-Man-Show ist bald schon ermüdend und wirft – unfreiwillig – spätestens mit ihrem Schlusspunkt eigentlich nur eine Frage auf: Entpuppt sich visionäres Denken vielleicht manchmal doch als privilegierte Verklärung?
