Literaturtipp

An offer you can't refuse

| Oliver Stangl |
Taschen legt das „Godfather Family Album“ erneut auf – diesmal als kostengünstige, aber dennoch hochqualitative Variante für den kleinen Mann.

Bereits im Februar des fernen Jahres 2009 hat „ray“ eine Bildstrecke zu „The Godfather Family Album“ veröffentlicht. Die luxuriöse und längst ausverkaufte Variante kostete damals ein paar tausend Euro und war von Set-Fotograf Steve Schapiro handsigniert. Für so manchen Fan von Francis Ford Coppolas Mafiaepos war das wohl unerschwinglich. Nun muss man dafür keinen Raubmord mehr begehen, denn zum 40. Verlagsgeburtstag hat Taschen eine smarte, gebundene Variante des Bandes veröffentlicht. Das Format mag dabei kleiner sein als beim Original, doch der ansprechende Inhalt hat sich nicht verändert: Das „Familienalbum“ versammelt 300 Bilder in Farbe und Schwarzweiß, die Schapiro bei der Entstehung aller drei Godfather-Teile (1972, 1974, 1990) anfertigte. Ein Interview mit dem renommierten Fotografen, der u. a. die Entstehung von John Schlesingers Asphalt Cowboy oder Martin Scorseses Taxi Driver dokumentiert hat, finden Sie übrigens in 12 + 01/2010.

Alles erscheint in diesem Album „larger than life“, schließlich sind die Corleones die vielleicht berühmteste Familie der Kinohistorie: Reverenzen an den Mafiaclan gehören zum fixen Bestandteil der Popkultur, berühmte Szenen wie der abgeschnittene Pferdekopf im Bett eines Hollywoodproduzenten oder der angeschossene, in einem Orangenmeer liegende Don werden zitiert und parodiert. So kongenial die Geschichte einer ungewöhnlichen Sippe hier mit einem düsteren Bild des amerikanischen Traums verquickt wurde, so alptraumhaft gerieten die Dreharbeiten für Regisseur und Drehbuchautor Francis Ford Coppola. Fast wäre er aufgrund seiner Unkonventionalität vom Studio entlassen worden, letztlich konnte er sich aber doch durchsetzen. Was folgte, waren Rekorde an den Kinokassen und ein Oscar-Regen. Teil 2, bei dem Coppola dann völlige kreative Freiheit genoss, wurde von vielen Kritikern sogar noch höher eingestuft als der erste Teil. Auch hier regnete es Oscars. Der späte dritte Teil – Coppola hatte inzwischen wieder viel an Einfluss und künstlerischer Freiheit eingebüßt – wurde dagegen von vielen als Enttäuschung empfunden, wenngleich das starke Ensemble (mit Ausnahme von Coppola-Tochter Sofia) Lob einheimsen konnte. Ob der dritte Teil angesichts von Coppolas jüngster Überarbeitung demnächst größere Wertschätzung erfahren wird, können Sie im Text von Michael Pekler lesen, der sich die Blu-ray-Veröffentlichung vorgenommen hat: Mario Puzos Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone

Steve Schapiro, der sich mit starken Sozial- und Politreportagen für „LIFE“ einen Namen gemacht hatte, erhielt vollen Zugang zu den Dreharbeiten. Da er mit einer schallgedämpften Kamera arbeitete und sich dezent im Hintergrund halten konnte, gelangen ihm intime Einblicke vom Set-Leben. Wenn man den Regisseur und sein Ensemble scherzend und in entspannter Stimmung sieht, stellt sich noch ein weiteres „familäres“ Gefühl ein. Gleichzeitig trug Schapiro mit einer Reihe von inszenierten Standfotos nicht unwesentlich zum Godfather-Mythos bei. Pacinos grimmiges Einzelporträt im grauen Anzug etwa erzählt schon viel von der seelischen Vergletscherung, die Michael Corleone im zweiten Teil durchläuft. Auch eine Vielzahl lange unveröffentlichter Set-Fotos finden sich im Buch: von Al Pacino beim Handballspielen bis zum mit explodierenden Blutbeuteln präparierten James Caan gibt es alles, was das Herz begehrt. Zudem finden sich zahlreiche Zitate von Cast und Crew im Album. Beispielsweise ein Auszug aus einem Interview, das „Entertainment Weekly“ 1989 mit „Michael Corleone“-Darsteller Al Pacino führte: „Francis views Michael as a prince. There is the King, who is the Don, and there are his sons and his kingdom. The Don’s life is threatened, he knows he is going to die. Which son will defend him? He loses one, Sonny, and the other one, Fredo, is inadequate. And then there’s the third one, who comes to his aid and takes over the kingdom, even though he never wanted it.“
Weiters inkludiert sind Texte des Godfather-Romanautors Mario Puzo sowie Interviews mit Marlon Brando, Al Pacino und Francis Ford Coppola. Erhältlich in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Capice?