Filmkritik

Anna Fucking Molnar

| Angela Sirch |
Vom aus der Rolle fallen und dem Zurückerobern des Rampenlichts

Anna Molnar ist eine erfolgreiche Schauspielerin mit Engagement am Theater in der Josefstadt, einer Liebesbeziehung mit dem Theaterdirektor und einer Vielzahl an Fans, die vor Premieren geduldig auf ein Autogramm von ihr warten. Doch als sich der Herr Direktor vor der Premiere des neuen Stücks in der Garderobe mit der jungen Nebendarstellerin vergnügt, von Anna in flagranti erwischt wird und sich diese, um ihren Kummer zu ertränken, einen gefährlichen Cocktail aus Tabletten und Alkohol mixt, endet die Premiere im Krankenhaus. Mit einem Mal gehen Annas Karriere ebenso wie ihr Privatleben den Bach hinunter: der untreue Geliebte wirft sie aus dem gemeinsamen Haus und sie muss zu ihrem Vater und dessen junger Frau ziehen, sie wird zudem aus dem Ensemble entlassen und ist dem Theater durch die kurzfristige Umbesetzung der Hauptrolle 30.000 Euro schuldig, die sie nicht aufbringen kann, da durch das Bühnendesaster, das in allen Zeitungen zu sehen ist, die Stellenangebote ausbleiben. Das Chaos scheint nur ein Gutes zu haben: sie begegnet dem Feuerwehrmann Christian, der sie nach ihrem Zusammenbruch auf der Bühne ins Krankenhaus bringt und dessen Leben mit laufender Scheidung und Streit ums gemeinsame Kind ebenfalls ein Scherbenhaufen ist.

Das weibliche Regie- und Drehbuch-Trio Derflinger, Wolschlager und Proll (letztere ist gleichzeitig in der Hauptrolle zu sehen) liefert eine rasante, spritzige Komödie, die viele verschiedene Themen teilweise überhöht, aber immer sehr amüsant aufgreift: Eifersucht, Wut, Selbstzweifel, Verlust, Liebe, Sex und Versagensängste. Auch wenn nicht jeder Schmäh perfekt sitzt, liefert das sehr gut besetzte Ensemble eine solide Leistung mit einer großen Bandbreite an Emotionen. Wie führt man eine Karriere als Drahtseilakt zwischen Kunst und Kommerz? Wie kann man erwarten, dass einen ein anderer Mensch liebt, wenn man sich selbst nicht lieben kann? Warum fühlt sich ein Ende immer wie scheitern an? Durchaus ernste Fragen werden in Anna Fucking Molnar satirisch verarbeitet, etwa, wenn sich Anna aus Ermangelung anderer Angebote beim Dreh zu einem seichten TV-Film oder in aberwitzigen Gesprächen mit ihrem Therapeuten wiederfindet. Die weibliche Hauptfigur ist erfrischend vielschichtig: sie ist stark, aber auch verletzlich, sie lebt ihre Sexualität offen aus ohne, dass es platt wird und sie scheitert und steht aus eigener Kraft wieder auf, mit der nötigen Portion Zynismus und hart erarbeiteter Selbstreflexion.