Argo Ben Affleck

Filmkritik

Argo

| Pamela Jahn |

Ben Afflecks überdurchschnittlich unterhaltsamer Politthriller über das Geiseldrama im Iran 1979

Es hätte auch nach hinten losgehen können, zumal die Geschichte, die sich Ben Affleck für seine dritte Regiearbeit ausgesucht hat, so hanebüchen daherkommt, dass man sie für einen üblen Scherz halten würde, wenn sie sich nicht tatsächlich so – oder zumindest so ähnlich – zugetragen hätte. Denn Argo erzählt nicht nur davon, wie militante Demonstranten in Teheran am 4. November 1979 auf dem Höhepunkt der iranischen Revolution die US-Botschaft stürmten und 52 Amerikaner als Geiseln nahmen, sondern vielmehr davon, was aus den sechs Angestellten wurde, die bei der Aktion gerade noch rechtzeitig fliehen und sich heimlich in die kanadische Botschaft retten konnten, von wo aus sie in einer so waghalsigen wie haarsträubenden Operation außer Landes gebracht wurden.

Wie genau – oder besser gesagt: ungefähr – hätte sich kein Drehbuchautor erträumen können: Laut Plan des mit der Rettungsaktion beauftragten CIA-Spezialisten Tony Mendez sollten die Amerikaner getarnt als kanadisches Filmteam, das auf der Suche nach einer passenden Location für einen SciFi-Film „mit orientalischem Touch“ in den Iran eingereist war, nun mit einem regulären Passagierflugzeug wieder ausgeflogen werden. Um die Sache glaubhaft zu machen, wurde ein eingefleischter Produzent (Alan Arkin) angeheuert, der das Pseudofilmprojekt mit Hilfe des Star-Maskenbildners John Chambers (John Goodmann) hollywoodgerecht vermarkten sollte, während Mendez die Behörden vor Ort täuschen und die Betroffenen selbst vom Erfolg der tollkühnen Aktion überzeugen musste.

Tatsächlich möchte man die Geschichte gleich nachschlagen, um sie glauben zu können. Obendrein versucht Affleck den doppelten Spagat als Regisseur und Hauptdarsteller, indem er sich selbst als den smarten CIA-Draufgänger Mendez besetzt, was auf den ersten Blick nicht weniger heikel erscheinen mag, im Nachhinein allerdings ebenfalls Sinn macht. Denn der 40-Jährige geht das Thema mit einer zweifachen Begeisterung an: zum einen für die realpolitischen Ereignisse der späten siebziger Jahre und zum anderen für die großartigen Politthriller, die zu jener Zeit entstanden und von denen Argo eindeutig mehr abgekupfert hat als die schlechten Frisuren der Top-Agenten. Man kann die Latte aber ruhig ein bisschen höher legen: Auch wer nach Afflecks ersten, eher zurückhaltenden Regieübungen (Gone Baby Gone, The Town) nicht wirklich damit gerechnet hat, muss zugeben, dass ihm diesmal, dank gewiefter Inszenierung und einem fähigen Darstellerensemble, ein überdurchschnittlich unterhaltsamer Coup gelungen ist.