Sein halbes Leben lang war Harry Spiegel im Widerstand aktiv – gegen den Austrofaschismus, gegen Franco, gegen die Nationalsozialisten. Fünf Jahre nach seine Tod widmet ihm Martin Krenn ein filmisches Porträt.
Noch bevor Martin Krenn beginnen konnte, Harry Spiegel vor der Kamera über sein Leben als Widerstandskämpfer (früher) und antifaschistische Ikone (später) zu befragen, verstarb dieser, im Jänner 2000, 89-jährig. Was bleibt, sind Tonbandaufnahmen aus den Vorgesprächen. Doch auch diese bergen Geschichten, die gehört gehören, vom Kampf gegen den Austrofaschismus im Februar 1934, von den österreichischen Widerstandskämpfern im spanischen Bürgerkrieg, vom Widerstand gegen den Naziterror, in Südfrankreich und anderswo.
Gesammelt und organisiert hat sie mit Martin Krenn ein bildender, eminent politischer Künstler, der auch in anderen Arbeiten, Ausstellungsprojekten und Installationen stets widerständigen Geist beweist. Seltsam bloß, dass er den politischen Kern seines Themas derart unzureichend erfasst. Das mag in erster Linie an den dramaturgischen Mängeln von Aufzeichnungen Zum Widerstand liegen, der geradezu haarsträubend unorganisiert, halt- und konturlos durch die Geschichte mäandert, ohne je wirklich zum Kern seines Themas zu gelangen, geschweige denn konkrete Thesen zu formulieren. Was bleibt, ist das Anekdotische, dargebracht von einer langen Reihe an Talking Heads, Genossen und Gefährten Spiegels, die zwar hie und da andeuten, welches Potential an persönlichem Erleben hier schlummert, aber kaum je die Zeit bekommen, es auch einzulösen. So wird auch das Charisma des Harry Spiegel, sein faszinierend kompromissloser Humanismus zwar erahnt, kaum aber je wirklich greifbar. Krenn umrahmt die Interviewsequenzen mit Zeichnungen von Paul Braunsteiner, die das Erinnerte mit (zum Teil animierten) Bleistift- oder Kohleskizzen ins Bild rücken, mit der durchaus offensichtlichen Intention, die Umriss- und Skizzenhaftigkeit jeder Erinnerung erinnerlich zu machen. Was tatsächlich zu mancherlei A-ha-Effekt führt, aber halt auch nur bei Popfans, die sich noch an „Take on me“ erinnern können. Ansonsten bleibt, über die hausbackene Allerweltserkenntnis hinaus, dass persönliche Geschichte auch mit Gedächtnislücken, Verklärungen und Schemenhaftigkeiten zurande kommen muss, kaum Mehrwertiges über. Der Blick fürs – ästhetische, politische, persönliche – Detail bleibt weitgehend unscharf, das Projekt eines Generationenporträts österreichischer Widerstandskämpfer seltsam farblos. Bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass dieser Widerstand tatsächlich ziemlich zwecklos ist.
