„Wozu den Planeten retten?“, fragt sich resigniert der Söldner Toorop zu Beginn dieses futuristischen Actionspektakels – bis er einen Auftrag erhält, der sein abgeklärtes Weltbild ins Wanken bringt.
Ein desillusionierter Einzelgänger soll eine
junge Frau an einen schwer zu erreichenden Bestimmungsort begleiten. Unterwegs stellt sich zum einen heraus, dass die Reise wesentlich gefährlicher ist als befürchtet, und zum anderen, dass die Reisende ein zukunftsweisendes
Geheimnis verbirgt. Klingt bekannt? Genau, klingt wie die Geschichte, die vor zwei Jahren in Children of Men erzählt wurde. Doch über die Grundidee hinaus hat Mathieu
Kassovitz’ kraftmeiernder Babylon A.D. wenig mit
Alfonso Cuaróns nachhaltig beunruhigender Dystopie gemein. Was nicht nur daran liegt, dass Vin Diesel kein Clive Owen ist.
Vielmehr unterscheiden sich die Filme drastisch in der Bedeutung, die sie dem geopolitischen Hintergrund ihrer jeweiligen Handlung zumessen. In beiden Fällen bestimmen Flüchtlingsströme, Umweltzerstörung und der Krieg zwischen Arm und Reich die gesellschaftliche Situation. Während aber Cuarón die globale Katastrophe zum essenziellen Element erklärt und sie als Nährboden für die emotionale Kraft seiner Geschichte nutzt, dient Kassovitz eine vergleichbar desolate Weltlage eher als pittoreske Kulisse, vor der er allerlei schlecht erklärten Esoterik-Humbug auftürmt. Er türmt so lange, bis einem der Plot um eine religiöse Sekte, um Gentechnik, Jungfrauengeburt und Messias egal wird. Obwohl eben dies die Inhalte sind, von denen Babylon A.D. mehr als bloß kursorisch hätte handeln müssen, um ihn aus der riesigen Masse jener Science Fiction-Filme hervorzuheben, die auf ihre eigenen Schauwerte hereinfallen und darüber ihre ideologischen Implikationen vergessen.
Umso bedauerlicher ist das, als Kassovitz für die Rolle der Neolite-Hohepriesterin Charlotte
Rampling gewinnen konnte, die wiederum die Gelegenheit nutzt für eine eiskalte und messerscharfe Analyse der Verquickung von Geschäftssinn und Heilsversprechen im Angesicht von Sodom und Gomorrha. Auch Lambert Wilson geht mit seinem Wissenschafter, der unvorhergesehen
Vatergefühle für seine humanoide Kreation entwickelt, über die Darstellung einer Charge hinaus. Doch dann stampft mit eiserner Miene Vin Diesel als Söldner Toorop ins Bild, und die potenzielle Mehrdimensionalität des Ganzen schnurrt zusammen auf das sattsam bekannte Problem eines Einzelnen: Die Kampfmaschine muss lernen, ihre verdrängten Gefühle zuzulassen, der Zyniker muss Mensch werden, der Egozentriker Verantwortung übernehmen. Mit Politik hat das praktischerweise nichts mehr zu tun.
