Österreichische Heimathorrorkrimikomödie: grobschlächtig, aber unterhaltsam
Schon beim Lesen von Kurt Palms erfolgreichem Roman „Bad Fucking“ (47.000 verkaufte Exemplare) beschlich einen das Gefühl, dass daraus ein Harald-Sicheritz-Film werden müsse. Und so kam es auch. Der Regisseur der zwei erfolgreichsten österreichischen Filme (Hinterholz 8, Poppitz) nahm es auf sich, Palms wilde Genremischung – man könnte den oben genannten noch gut und gerne ein paar hinzufügen – in geordnete Filmbilder zu übersetzen. Sein Drehbuch, das sei ausdrücklich erwähnt, hat diese Klippe gut gemeistert. Ob man die filmische Umsetzung auch so sieht, hängt davon ab, ob man die ersten Minuten zuschauerisch „überlebt“, in denen der Luftkurort Bad Fucking vorgestellt wird und in denen der Humor doch reichlich tief gelegt ist. Immerhin hat Autor Kurt Palm da ein Cameo.
Nach dem Felssturz allerdings, der den einstmals beliebten Ort von der Umwelt abschneidet und für Jahre zur touristischen No-Go-Area macht, nimmt das Geschehen an Fahrt auf. Erzählt wird im Turbo-Modus, was der Sache guttut, und die zahlreichen Protagonisten bekommen rasch Konturen: der Bürgermeister und Hotel-Monopolist Hintersteiner und seine beiden unterschiedlichen Söhne, die Souvenirladen-Erbin Veronika (aus deren Perspektive die Story erzählt wird), die beiden seltsamen Gendarmen, der Fleischermeister, in dessen Kühlhaus bald eine Leiche liegt, der notgeile Zahnarzt samt eiskalter Gattin, die abgeklärte bosnische Putzfrau, der Einsiedler Schallmoser und – da schießt Palm Österreich-unüblich wirklich scharf – die Innenministerin Maria Sperr, die sich mit Hilfe der Baufirma ihres Mannes an Hintersteiners Projekt beteiligen will: einem Asylantenheim mitten im Naturschutzgebiet, mit dessen Hilfe er Bad Fucking „retten“ will. Dieser Strang der Handlung ist sicherlich der stärkste und sorgt für eine politische Komponente, die klar macht, wie nahe Realität und Wahnwitz einander in Österreich schon sind. Dazu kommen ein Trupp handysüchtiger Wiener Cheerleader-Girls samt US-Trainerin, ein fieser Finanzberater, eine apokalyptische Prophezeiung aus einem alten Gemälde, ein aufziehender Orkan und dergleichen mehr – für Trubel ist also gesorgt. (Bad) Sex & Crime & schwarzer Humor: keine schlechte Mischung, dazu kommt ein offensichtlich zu allem entschlossenes Ensemble von Publikumslieblingen und solchen, die es bald werden werden (Martina Ebm, Thomas Mraz). Die feine Klinge haben Palm und Sicheritz erst gar nicht ausgepackt, aber gerade das Grobschlächtige und Ungestüme des Films, durchaus mit Anklängen an die Gross-out-Welle Hollywoods, machen seinen Reiz aus.
