Filmkritik

Bad Luck

| Günter Pscheider |
Skurriler Dialektthriller über die Auswirkungen von Geld, Zufall und Einsamkeit

Als zwei abgehalfterte Abschleppwagenfahrer sich mitten im Wald erleichtern wollen, fällt ein Auto vom Himmel direkt vor ihre Füße, darin der leblose Fahrer und jede Menge blutbefleckter Geldbündel. Wie man aus Genrekonventionen weiß, bedeutet dieses vermeintliche Glück nichts Gutes für die Finder, die sich prompt darüber in die Haare geraten, ob sie das Geld einfach einstecken sollen. Als dann der Totgeglaubte unvermutet vor ihnen auftaucht, müssen sie eine Entscheidung zwischen Gier und Verzicht treffen. Wie das Geld in das Auto und das Fahrzeug in den Wald kam, erzählt der Film in einer langen Rückblende, in der ein entlassener Angestellter eines Wettbüros sich an seinem Chef rächen will und eine Tankstellenkassiererin mit ihrem Freund einen Überfall fingiert, um ihrem ereignislosen Dasein in der Kärntner Provinz zu entfliehen.

Regisseur Thomas Woschitz hat schon mit Universalove sein gutes Gespür dafür bewiesen, einzelne Episoden und verschiedene Zeitebenen gekonnt miteinander zu verbinden. Auch sein lakonischer Humor passt perfekt zum kargen Setting dieses  Thrillers und zum breiten Unterkärntner Dialekt, den der Regisseur und die Produzentin Gabriele Kranzelbinder aus ihrer eigenen Jugend genauestens kennen. Damit so eine alkoholgetränkte Versuchsanordnung  über sympathische Verlierer, die aus ihrem tristen Leben ausbrechen wollen, auf der ganzen Filmwelt funktioniert, müssen die Handlungsorte zugleich etwas Austauschbares, Universales haben. Einige skurrile Szenen könnten aus einem frühen Werk der Brüder Coen stammen, allerdings ist der Film viel zu inkonsistent, um die ohnehin schlanken 80 Minuten mit Substanz zu füllen.  Die Charaktere, die teilweise von gut gecasteten Laiendarstellern mit passender Physiognomie im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert werden, werden zwar interessant eingeführt, aber in weiterer Folge scheint der Autor jedes Interesse an irgendeiner Entwicklung verloren zu haben. Manche Dialoge könnten auch von durchschnittlich begabten, bekifften 16-Jährigen geschrieben worden sein, was sich aber Nicht-Fans auch bei einigen Tarantino-Sequenzen denken mögen. In einigen wahrhaftigen Szenen geht es um die Wechselwirkung von Alkoholismus und Einsamkeit, die forciert philosophische Frage, was Glück heutzutage anderes bedeuten kann als Geld und welche Rolle der Zufall generell im Leben spielt steht zwar im Raum, verleiht dem teils durchaus melancholisch komischem Geschehen aber auch keine Tiefe. Wieder mal ein österreichischer Film, den man als Talentprobe sehen kann, aber zugleich auch als vergebene Chance.