Seth Rogen versus Zac Efron oder: Von der Kunst des (Nachbarschafts-)Krieges
Mac und Kelly Radner (Seth Rogen und Rose Byrne) ziehen mit ihrem Baby in eine idyllische Siedlung am Stadtrand. Es ist der Moment im Leben, in dem die Erinnerung an Partys noch frisch ist, doch die Radners sind glücklich in ihrer neuen Funktion als Eltern – bis in das Haus nebenan eine Studentenverbindung und Reinkarnation des Kultfilms Animal House (1978) einzieht, die das junge Ehepaar mit ihrem Abstieg ins Spießertum und Robert-De-Niro-Mottopartys konfrontiert. Zunächst setzen Mac und Kelly auf die nette Tour, doch die Schonzeit ist kurz. Es bricht ein bodenloser Krieg zwischen den Parteien aus, der zu wahnwitzigen Entgleisungen führt.
Es ist alles außerordentlich dumm. Nichts ist zu vulgär, kein Stereotyp zu hirnverbrannt. Anführer der Studenten ist Teddy (Zac Efron), der in seiner bisher besten und bösartigsten Rolle gemeinsam mit seiner rechten Hand Pete (Dave Franco) versucht, die Kleinfamilie aus der Nachbarschaft zu ekeln. Mit Neighbors bedient Regisseur Nicholas Stoller gleich zwei beliebte Motive der Americana: Suburbia meets Fraternity. So wie er sind auch die bewährten Produzenten Seth Rogen und Evan Goldberg (This Is the End) Alumni der Judd-Apatow-Schule und vertraut mit einem Subgenre der Hollywood-Komödie, die das „Manchild“ konditioniert und damit einige kommerziell sehr erfolgreiche Filme geschaffen hat. Die Autoren Andrew Cohen und Brendan O’Brien führen auf infantile Art und mit tief gelegtem Humor den Generationskonflikt ad absurdum. Surreale Partyszenen hegen (aber nur) optisch und bewusst Reminiszenzen an Enter the Void. Neighbors ist eine Abfolge von Schwanz-Witzen, Dildo-Kämpfen und einem Milchpumpendebakel, zählt aber dennoch nicht zur klassischen „Bro-Kultur“, sondern verfügt über eine weibliche Protagonistin, die mindestens so boshaft ist wie ihre männlichen Kollegen. Byrnes verkörpert die Rolle der amoralischen Matriarchin mit manischer Ekstase.
Stoller bewies mit Forgetting Sarah Marshall ein Gespür für die Kombination von banalen Exzessen und der Chronik profunder, menschlicher Nuancen. Hinter all den Sexwitzen verbarg sich in seinem Regiedebüt ein aufrichtiges Liebesdrama. Neighbors hat weitaus weniger Gehalt und kann mit seiner hauchdünnen Handlung, begraben unter einer gewaltigen Lawine von Gags gerade noch oberhalb der Gürtellinie andocken. Das Elementare bei einer Komödie ist jedoch, dass man lacht, und so subjektiv das auch sein mag, dem neuen Seth Rogen-Vehikel gelingt das bis zum bitteren Ende.
