Barbie Film

Filmstart

Barbie

| Jakob Dibold |
Girls just wanna have fundamental rights: Robbies und Gerwigs Barbie ist ein großer, niveauvoller und angenehm unprätentiöser Spaß.

Natürlich wusste Margot Robbie, was sie tat, als sie sich mit ihrer Produktionsfirma LuckyChap 2018 die Rechte an einer Barbie-Verfilmung sicherte. Bestenfalls in den Sternen stand damals aber erst festgeschrieben, dass sie mit Greta Gerwig nicht weniger als ein Traumduo bilden würde, dass es vermag, die wohl berühmteste Puppe der Welt in all ihrer Widersprüchlichkeit ins Zentrum einer so schlauen, schrillen und hoch unterhaltsamen Filmerzählung zu stellen. Zugegeben, die Storyline, die alles zusammenhält, wäre in den falschen Händen sicher zu einem wenig originellen PR-Machwerk verkommen: Eine der beliebtesten unter vielen verschiedenen Barbies in Barbieland, muss die Titelheldin – vom Modell „Stereotypical Barbie“ – einige Funktionsmängel an sich selbst feststellen. Ihr bleibt infolgedessen nichts anderes übrig, als die mit allerlei Barbie-Vehikeln zu bestreitende Reise in die echte Welt zu unternehmen, um dort herauszufinden, wer ihr im direkten Wortsinn negativ mitspielt – die Veränderungen scheinen damit zusammenzuhängen, dass ihre menschliche Besitzerin Kummer oder Sorgen plagen … Weil Barbies anhänglicher, stets Bestätigung suchender Freund Ken nicht abzuschütteln ist, landet er ebenfalls in der Menschenwelt – und als sich, klar, die Sphären vermischen, ist einiges Chaos perfekt und das pinke Paradies muss gerettet werden.

Sind manche Handlungsabschnitte und Charakterentwicklungen (vor allem jene der „realen“ Personen) doch gar unnatürliche Mittel zum Zweck, überwiegen in Barbie gute und sehr gute Ideen glücklicherweise so deutlich, dass man über Ersteres hinwegsehen kann. Auch abseits von mehr oder weniger klaren Winks in die Filmgeschichte – 2001; Fifties-Musicals; Truman; durchaus so lesbar: Tati – ist es dabei der facettenreiche Humor, in dem sich scharfsinnige Ironie, feiner Sprachwitz und eine große Lust an Objekt-Komik (zumeist hinsichtlich der ganz eigenen physikalischen Gesetze des Barbiekosmos) vereinen, der Barbie ausmacht. Dem von Gerwig gemeinsam mit Partner Noah Baumbauch verfassten Drehbuch stehen dabei außerordentlich versiertes Szenen- und Kostümbild sowie fabelhafte (Musik- und Tanz-)Choreografien zur Seite – tatsächlich gibt es in Mattels erfolgreichem Puppen-Franchise, das schon einige Animationsfilme hervorgebracht hat, nun einen wahrhaftigen Kinofilm mit großem Schauwert.

Ausschließlich Eye Candy ist Barbie aber keinesfalls. Zusätzlich zu den nicht überraschenden, trotzdem ebenso klug wie gewitzt verpackten Reflexionen über das Mensch-, vor allem das Frau-Sein, inszenieren Gerwig und Baumbauch auch eine äußerst vergnügliche Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern und gesellschaftlichen Machtstrukturen, die ohne den hier aufblühenden Ryan Gosling wahrscheinlich trotzdem nur halb so gut funktionieren würde. Die nachdenklichen Passagen, vor allem die wie eingestreute Mutter-Tochter-Beziehung, bleiben im Vergleich oft blass. Barbie zieht mit seinen fast zwei Stunden Laufzeit als quicklebendiger, prächtiger Attraktionenpark mit reichlich seriösem Subtext in den Bann, wobei auch erfreut, wie sehr es der Spielzeug-Gigant Mattel duldet, dass in den großteils klaren Kanten gegen das Patriarchat – aber auch gegen kapitalistisch-liberalen Feminismus – das eigene Unternehmen ebenfalls freudig durch den Kakao gezogen wird.

Sicher: Dem Geschäft schadet es selten, wenn man Humor beweist. Wie auch einerseits Barbie und Oppenheimer einander nicht schaden, sich im Netz gegenseitig kurzweilig mitanzusehen zu den Sommerhits des Jahres aufschaukeln, und andererseits die nun also endlich Wirklichkeit gewordene, erfrischende Live-Action-Verfilmung der kleinen kulturgeschichtlichen Größe dem Kinomarkt an sich eigentlich nur guttun kann.