Auch Übermenschen müssen leiden
Dass Superhelden die zeitgenössischen Varianten klassischer Götterfiguren sind, machte wohl noch keine Comicverfilmung so klar wie nun Batman v Superman: Dawn of Justice: Das Drehbuch von Oscarpreisträger Chris Terrio (Argo) und David S. Goyer ist übervoll mit Anspielungen auf Gott und Teufel, während Zack Snyders gewohnt bildgewaltige Inszenierung das ihrige zur ikonenhaften Überhöhung des Personals tut. Superman, der bereits in Snyders polarisierendem Man of Steel (2014) als messianische, christusartige Figur (die allerdings Kollateralschäden mit sich brachte) auftrat, wirkt hier nochmals um eine Stufe erhöht – wenn er etwa ein Mädchen in Mexiko während des Tages der Toten rettet, gruppieren sich die Massen um ihn in Zeitlupe, als handle es sich um Jesus bei der Bergpredigt. Doch die große Macht des Kryptoniers ruft auch Zweifler auf den Plan, darunter eine Senatorin (Holly Hunter), die das Alien vor einen Ausschuss zitieren will. Ein weiterer Skeptiker ist Milliardär Bruce Wayne (Ben Affleck), der als Batman brutal mit Kriminellen abrechnet, von apokalyptischen Träumen geplagt wird und fürchtet, dass Superman eines Tages die Welt zerstören wird. Und noch ein Milliardär will Superman fallen sehen, weil er etwas gegen Gott hat: der ebenso geniale wie exzentrische Unternehmer Lex Luthor (Jesse Eisenberg). Zu diesem Zweck denkt Luthor sich ein Komplott aus, dass Fledermaus und Übermensch in einem Kampf auf Leben und Tod aufeinanderprallen lassen soll. Dabei ist es eigentlich merkwürdig, dass die drei sich nicht verstehen, sind sie doch allesamt durch das Schicksal der Vaterlosigkeit verbunden … Wie dem auch sei, schließlich tritt auch noch die unsterbliche Amazone Wonder Woman (Gal Gadot) auf, die sich eigentlich von der Menschheit abgewandt hat, die aber schließlich durch eine von Luthor losgelassene monströse Bedrohung wieder auf den Plan gerufen wird.
Der von DC/Warner produzierte Film, ein deutlicher Kontrast zu den gagreichen Produktionen des Konkurrenten Marvel, kommt düster und ernst daher – eine Tonlage, die konsequent von Anfang (die Ermordung von Waynes Eltern wurde in einer Collage zusammengefasst) bis zum destruktionsfreudigen Ende (rund 40 Minuten Nonstop-Action) gehalten wird. Das funktioniert manchmal besser und manchmal schlechter. Lässt man die stellenweise mangelnde Plausibilität, wie etwa den Umstand, dass der titelgebende Kampf leicht hätte verhindert werden können, beiseite, kann man sich etwa auf Afflecks Darstellung Batmans konzentrieren und feststellen, dass sein minimalistisches Spiel hier durchaus effektiv ist: Sein Batman ist älter, zynischer und geradezu paranoid. In technischen und moralischen Belangen assistiert wird ihm von Jeremy Irons als Butler Alfred, der gewohnt gut ist, aber zu wenig zu tun bekommt. Eisenberg als Luthor hat innerhalb der Manie, mit der er seine Rolle ausstattet, durchaus starke Momente und auch Gal Gadot macht keine üble Figur als Wonder Woman. Am meisten eingeschränkt durch Snyders betont visuelle, aber selten subtile Inszenierung ist wohl Cavill, der eher ein Prinzip darstellen muss, denn einen wirklichen Charakter.
Dass der Film vielleicht zu viele Handlungsstränge in seine Lauflänge integrieren will – ein Subplot rund um Amy Adams als Reporterin und Superman-Freundin Lois Lane ist eher überflüssig – und weitgehend auf Humor verzichtet, könnte erneut dazu beitragen, dass er, wie schon Man of Steel, polarisiert (welche Auswirkungen dies auf die geplanten Justice League-Filme hat, in denen neben Superman, Batman und Wonder Woman auch Helden wie Aquaman oder The Flash auftreten, wird man sehen). Doch allen möglichen Einwänden zum Trotz bereitet es schon auch Vergnügen, die beiden Ikonen Superman und Batman zum ersten Mal in einem Realfilm aufeinandertreffen zu sehen – Kaliber wie Hektor und Achilles gegeneinander antreten zu lassen, war ja bereits bei Homer ein Spektakel. Und wenn Hollywood schon Überlebensgröße anzubieten hat, kann die Parole, zumindest in einem Superheldenfilm, auch mal „Klotzen, nicht kleckern“ lauten.
