Nachschub für junge Menschen auf „Twilight“-Entzug – ansprechend
Seit einiger Zeit wird Ethan Wate von einem wiederkehrenden Traum geplagt; er versucht, ein wunderschönes junges Mädchen vor einer diffusen Bedrohung zu retten – und scheitert. Dann wacht er schweißgebadet auf und findet sich im selben öden Leben am selben öden Ort wieder. Ethan absolviert sein letztes Jahr an der Highschool in Gatlin, South Carolina, und er kann es kaum erwarten, sein Heimatkaff zu verlassen, in dem – wie er zu Beginn wortreich beklagt – nie etwas los war, nie etwas los ist und nie etwas los sein wird. Doch kaum hat er es gesagt, gerät sein Leben auch schon aus den Fugen. Eine neue Mitschülerin, Lena Duchannes, kommt in Ethans Klasse. Nicht nur ist sie die Nichte des reichen Gutsbesitzers Macon Ravenwood, um den alle einen großen Bogen machen, weil ihn seltsame Gerüchte umranken; Lena sieht auch noch genau so aus wie das Mädchen in Ethans Träumen. Vielmehr: Sie ist das Mädchen seiner Träume.
Davon, wie schwierig es ist, eine erste wahre Liebe zu erleben, wenn diese in einer Romeo-und-Julia-Struktur verortet ist, handelt Beautiful Creatures von Richard LaGravanese. Dessen Drehbuch basiert auf dem 2009 erschienenen, gleichnamigen Fantasy-Roman von Kami Garcia und Margaret Stohl, der wiederum den ersten Teil der „Caster Chronicles“-Tetralogie bildet. „Caster“ nämlich nennen sich die Angehörigen jener weitverzweigten Sippe, zu der auch Lena gehört, und abgeleitet ist das Wort von dem Ausdruck „to cast a spell“, was „verzaubern“ bedeuten kann oder „verhexen“.
Als ihm klar wird, dass es sich bei seiner Angebeteten um eine waschechte Hexe handelt, vergehen Ethan erst einmal Hören und Sehen. Und weil das noch nicht kompliziert genug ist, steht auch noch Lenas 16. Geburtstag ins Haus und damit die Entscheidung darüber, ob ihre magischen Kräfte von der dunklen oder der hellen Seite der Macht für sich reklamiert werden. Ein Familienfluch, dermaleinst heraufbeschworen von einer in Liebe entbrannten weiblichen Vorfahrin, und erschwerte Bedingungen für Ethan und Lena.
Vergleichbar dem kürzlich in die Kinos gekommenen Jugendliebe-plus-Zeitreise-Tohuwabohu Rubinrot von Felix Fuchssteiner ist auch Beautiful Creatures angetreten, die von den Harry Potter- und Twilight-Franchises hinterlassene Lücke zu füllen. Im Gegensatz zu Fuchssteiner aber behält LaGravanese die Fülle seiner Themen, Motive und Figuren im Griff und inszeniert einen Film, der sich durch einnehmende Charaktere, narrative Dichte und visuelle Schönheit auszeichnet.
