Aus erster Hand erzählt: die Anfangsjahre einer der größten Rockbands ever.
Die Vorfreude war groß, als bekannt wurde, dass eine Doku über die legendäre britische Rockband Led Zeppelin ins Kino kommen würde. In diesem Satz stecken schon zwei positive Dinge: „Led Zeppelin“ und „ins Kino“. Denn Led Zeppelin gehören nach wie vor zum Besten, was Rockmusik je zu bieten hatte, und im Kino (der Film ist, zumindest theoretisch, auch im IMAX-Format verfügbar) geht diese phänomenale Musik natürlich am besten in die Gehörgänge, vorausgesetzt, man kann mit der Band etwas anfangen.
Apropos anfangen: Das Schönste an Bernard MacMahons Film ist, das steckt ja schon im Titel, dass er sich auf die frühen Jahre beschränkt und den Fokus auf die Entstehungsgeschichte der Band legt. So erfährt man, dass Jimmy Page und John Paul Jones schon in sehr jungen Jahren gefragte Session-Musiker waren – beide sind etwa auf Shirley Basseys Bond-Titelsong „Goldfinger“ zu hören, dass Robert Plant massiv von Schwarzer amerikanischer Musik beeinflusst war, dass John Bonham schon als Kind Schlagzeuger werden wollte, und dergleichen mehr. Nicht alles an diesen Geschichten ist neu, aber wenn die drei rüstigen älteren Herren (Bonham starb ja schon 1980, er ist hier in wirklich raren Audioaufnahmen präsent) sie selber erzählen, macht es mehr Spaß. Dass sie, die sich unterschiedlichen Konstellationen ja schon kannten, 1968 zusammenfanden und nach nur einem Monat Proben auf Tournee gingen, dass sie schon ein Jahr später riesige Hallen, vor allem in den USA, füllten, dass sie mit ihrem zweiten Album alle Rekorde brachen – das ist Rockgeschichte, hier aus erster Hand erzählt, und mit dem Konzert in der Royal Albert Hall am 9. Jänner 1970 endet schon der Film, der beim Festival in Venedig übrigens noch in einer Drei-Stunden-Version zu sehen war.
Das mag für viele enttäuschend sein, aber die Wahrheit ist: Es ist der interessantere Teil dieser (oder jeder) Band-Biografie, denn alles was danach kam, der Hype, der Massenansturm, der Größenwahn, die Groupies, der Alkohol, das alles ist bei weitem nicht so spannend wie das, was man hier aus den Anfangsjahren zu sehen und zu hören bekommt. Und das Beste daran: Man bekommt ein Gefühl dafür, wie sehr sich die vier kaum 20-Jährigen ins Zeug legten, welch hartes Stück Arbeit es war, ihre nicht ganz alltäglichen Vorstellungen von Musik im Studio und live umzusetzen, noch dazu gegen den Widerstand vor allem der britischen Presse, die anfangs mit der Naturgewalt Led Zeppelin eindeutig überfordert war. Noch ein dickes Plus: Es war eine gute Entscheidung, nur die drei Protagonisten zu Wort kommen zu lassen, nicht aber, wie leider in vielen anderen Musik-Dokus, unzählige andere, mehr oder weniger relevante Senf-Spender.
Gibt es etwas zu meckern? Ja, klar: Das Ganze ist ein bisschen sehr bieder geraten, wohl auch, weil der Film von der Band autorisiert wurde. Darum herrscht ein bisschen viel Eintracht und Konsens, was man wohl der Altersmilde zuschreiben muss. Und die (immerhin sehr ausführlichen) Konzertausschnitte, die man zu sehen bekommt, sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, alles andere als „neu“, das meiste davon wurde längst veröffentlicht. Wie auch immer: Für Zeppelin-Fans ist der Film sowieso ein Muss, und wer wissen will, wie „richtige“ Rockmusik einmal geklungen hat, wird auch gut bedient. Wichtig ist nur, dass das jeweilige Kino den Ton schön laut aufdreht.
