Filmkritik

Before I Wake

| Ralph Umard |
Unheimliche Begegnungen der okkulten Art

Mom (Kate Bosworth) und Dad (Thomas Jane) sehen aus wie von einer Modellagentur gecastet. Sie residieren in einer herrschaftlichen Villa und haben es offensichtlich nicht nötig, arbeiten zu gehen. Und doch sind sie unglücklich und werden von Schuldgefühlen geplagt, seit ihr kleiner Sohn in der Badewanne ertrunken ist. Um die Tragödie zu verarbeiten, geht die Frau zu einer Gruppentherapie, und das Ehepaar beschließt, zur Komplettierung der Familie einen Waisenknaben zu adoptieren Ein schlimmer Fehler, denn der niedliche Achtjährige erweist sich als besessen, seine Traumvisionen nehmen zum Entsetzen der neuen Eltern reale Gestalt an.

Dräuende Musik, knarrendes Holz, Türen schlagen zu, Jumpcuts auf schattenhafte Spukgestalten, unterm Kinderbett lauert Gefahr – Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan nutzt genreübliche Stilmittel und Motive, ohne dass es ihm gelingt, eine gruselige Atmosphäre der Angst zu generieren. Originell ist hier auch nichts – außer vielleicht ein Schaumblasen bildender Weihnachtsbaum –, ständig flattern Schmetterlinge oder Motten Unheil bringend herum, das kennt man unter anderem aus Tsui Harks The Butterfly Murders. Und das blasse Gespenst, das aus den Alpträumen des Kindes materialisiert, dürfte bei Horror-Fans höchstens ein müdes Lächeln hervorrufen, es wirkt weder schreckenserregend, noch ist es auf makabere Art humorig wie der Traumdämon Freddie Krueger.

Es werden grundsätzlich interessante Fragen aufgeworfen: Über die Welt als Wille und Vorstellung. Wie gehe ich mit dem Verlust geliebter Menschen um? Ist eine Wiederauferstehhung nach dem Tode möglich, wie es in der Bibel behauptet wird, oder als Reinkanation nach hinduistischer Lehre? Die Filmautoren gehen darauf nicht weiter ein.

Die Handlung mäandert richtungslos dahin, das Verhalten der Eltern angesichts des Spukgeschehens ist völlig unglaubwürdig. Warum wenden sie sich nicht hilfesuchend an Experten für paranormale Phänomene, oder zumindest an die Polizei? Der eitle Psychotherapeut der Frau kann bloß mit besserwissserischem Geschwätz über Projektionen aus dem Unterbewusstsein  dienen. Mitgefühl für die Stiefeltern kommt nie auf, zumal Thomas Jane seltsam unbeteiligt und mechanisch agiert, so als hätte er Sedative eingenommen. Dabei gerät der gelangweilte Zuschauer im Kino selber in Gefahr, vor dem pathetischen Filmende einzuschlafen.