Komas kommen wie Kohlenhydrate in guten und schlechten Sorten
Wenn man ein Koma in eine Liebesgeschichte einbaut, dann hat man in der Regel eine Seifenoper. The Big Sick kann ziemlich sentimental sein, aber diese autobiographische Romanze zwischen einem pakistanisch geborenen Stand-Up-Komiker und seiner amerikanischen Freundin ist auch liebenswert, lustig und leise provokativ. Die US-Kritiken strahlen regelrecht vor Hosiannas.
Kumail Nanjiani spielt eine jüngere Version von sich selbst, einen Comedian und Uber-Fahrer in Chicago, der aus einer eingewanderten Familie stammt, die versucht, ihn mit pakistanischen Frauen zu verkuppeln. Um dies zu erleichtern, arrangiert seine Mutter jede Familienmahlzeit mit einer anderen Anwärterin, die „gerade zufällig vorbeikommen“ ist. Er erzählt seiner Familie nichts von der nicht-muslimischen jungen Frau Emily (Zoe Kazan) in die er sich verliebt hat, und er erzählt Emily nichts von den Absichten seiner Eltern. Weil jede gute Liebesgeschichte eine existenzielle Bedrohung braucht, trennen sich die beiden aufgrund ihrer kulturellen Unterschiede. Und weil das noch nicht genug ist, muss Emily plötzlich in ein künstliches Koma versetzt werden. Da findet sich Kumail an ihrem Krankenbett in Gesellschaft ihrer Eltern (großartig: Holly Hunter und Ray Romano) wieder, zwei Leute, die er lieber unter angenehmeren Umständen getroffen hätte. Er macht deplatzierte Witze über 9/11 und versucht, sie zu trösten, indem er unpassende Dinge sagt wie: „Komas kommen wie Kohlenhydrate, in guten und schlechten Sorten“. Doch die Eltern wollen mit dem Mann, der ihrer Tochter das Herz gebrochen hat, nichts zu tun haben.
Dass die Geschichte auf einer glücklichen Note endet, ist kein Spoiler, denn Silicon Valley-Star Kumail Nanjiani schrieb den Film mit seiner Ehefrau Emily V. Gordon, basierend auf ihren Erfahrungen.
Das Nette daran ist, dass The Big Sick trotz seiner melodramatischen Prämisse nie aufhört eine Komödie zu sein – und dass obwohl die charmante Hauptdarstellerin eine ganze Weile bewusstlos ist. Regisseur Michael Showalter (Wet Hot American Summer) schafft es, die perfekte Balance zwischen Humor und Melancholie zu finden. Es ist nicht ganz so schrullig wie My Big Fat Greek Wedding und nicht so schnulzig wie While You Were Sleeping, aber es hat ein bisschen was von beidem. Wir verlieben uns nicht so sehr in das Liebespaar, sondern in ihre drolligen Familien. Es ist wirklich nett. Man darf einfach nicht die Revolution des Genres erwarten, die der Hype zum Film in den USA verspricht.
