Die niederländische Regisseurin Frederike Migom widmet sich Menschen, die in ständiger Angst leben: Geflüchteten, die sich illegal in Europa aufhalten
Auf den ersten Blick wirkt die zwölfjährige Binti wie ein ganz normales belgisches Mädchen, das wie alle Kids in ihrem Alter 24 Stunden am Tag an ihrem Handy klebt und sich nichts sehnlicher wünscht, als das nächste YouTube-Sternchen zu werden. Nur, dass sie ihre Videos nicht in ihrem Kinderzimmer dreht, sondern in einem Wohnatelier, in dem sie gemeinsam mit ihrem Vater und anderen illegal Geflüchteten lebt. Als die Polizei das Atelier stürmt, stehen Binti und ihr Vater von einer Sekunde auf der anderen ohne Wohnung da. Doch zum Glück trifft Binti auf den gleichaltrigen Elias, der zwar ein sehr cooles Kinderzimmer, doch dafür überhaupt keine Ahnung von sozialen Medien hat. Dabei würden die ihm dabei helfen, mehr Geld für seine Tierschutz-Mission zu sammeln. Weshalb ihm Binti bei seiner Spendenaktion kurzerhand unter die Arme greift und sich und ihrem Vater damit einen Schlafplatz für die nächsten Tage organisiert.
Trotz des ernsten Themas ist Binti ein überaus lustiger Film. Das ist zu einem Großteil der quirligen Hauptdarstellerin Bebel Tsihani Baloji zu verdanken, deren gute Laune einfach ansteckend ist. Es liegt aber auch an der Art, wie Frederike Migom diesen Film inszeniert: Ein flotter Schnitt, spritzige Dialoge und eine Ausstattung, die an Farben und dekorativen Accessoires nicht spart, verleihen ihrem Film trotz der Themenschwere einen unbeschwerten Flair. Doch die Figur des Vaters von Binti, eines schweigsamen Mannes, sorgt immer wieder dafür, dass die Unbeschwertheit gebrochen und das Publikum in die bittere Realität der Familie zurückgeworfen wird. In eine Welt, in der man ohne Papiere nicht existiert und eiskalt abgeschoben wird. Nämlich auch dann, wenn man nach der Rückkehr in sein Herkunftsland sofort ins Gefängnis wandern wird. Eine Konsequenz, welche die Regisseurin nicht ausspart, sondern klar benennt.
Der Grund, warum viele Menschen sich von den Geflüchteten, die in Europa Zuflucht suchen, bedroht fühlen, ist zwar etwas banal dargestellt. Doch das verzeiht man diesem Film. Allein schon, weil es so viel Spaß macht, Binti und Elias beim Drehen ihrer YouTube-Videos zuzuschauen.
