Bitte warten / Please Hold the Line

Filmkritik

Bitte warten

| Alexandra Seitz |
Unterwegs mit Außendienstmitarbeitern von Telekommunikationsfirmen, die an den Rändern Europas Probleme beheben

Schlimmes Gedudel dringt ans Ohr, regelmäßig unterbrochen von der Bitte um Geduld: Man möge in der Leitung bleiben … es werde sich ehebaldigst jemand kümmern … der nächste freie Mitarbeiter … jaja, wenn nur die Musik nicht gar so schrecklich wäre. Die Warteschleife auf dem Weg ins Callcenter ist die Vorhölle der digitalisierten Kommunikation; drücken Sie die Eins und bestätigen Sie mit der Rautetaste.

Tatsächlich begleitet Pavel Cuzuioc in seinem Dokumentarfilm Bitte warten nun aber diejenigen, die ausschwärmen und sich kümmern. Außendienstmitarbeiter von Telekommunikationsfirmen, die vor Ort Probleme beheben, wahrhaftige Menschen aus Fleisch und Blut, die auf Masten klettern, Kästen aufschrauben, Kabel verlegen, Knöpfe drücken, Leitungen prüfen. Diese Netzwerktechniker sind in den ländlichen Gegenden der Ukraine, in Bulgarien, Rumänien und Moldawien unterwegs. Dort wo Hähne krähen, Esel schreien, Kühe und Schafe Straßen queren, auf denen Pferdefuhrwerke keine Seltenheit sind. Sie stellen den Anschluss wieder her, wenn das Telefon tot ist, das Internet nicht mehr funkt oder – schlimmster aller vorstellbaren Fälle – die Glotze dunkel bleibt.

Aber was heißt das eigentlich, den Anschluss wiederherstellen? Was bedeutet es, die Verbindung zu verlieren? Rasch wird klar, dass Bitte warten von weit mehr handelt als von der ganz normalen telekommunikativen Malaise mangelnder Highspeed-Versorgung des Hinterlands. Denn so wie wir inmitten des Lebens vom Tod umgeben sind, sind wir auch inmitten all der bunt blinkenden Bildschirmoberflächen und all des unablässigen Geplärres aus Lautsprechern allein. Das geht hervor aus den Einlassungen der Kundschaft, die die Anwesenheit des Handwerkers gerne nutzt, um das ein oder andere Klagelied anzustimmen über den allgemeinen (schlechten) Zustand der Welt und die (zahlreichen) Widrigkeiten des Daseins; früher kamen wenigstens noch alte Western im Fernsehen …

Heimlich, still und leise führt Regisseur Pavel Cuzuioc sein Thema ein, um mit Aplomb zu enden: Ein kirchlicher Würdenträger hält eine blumenreich schwindel-erregende Rede über die unergründlichen Wege kosmischer Information. Immer höher und höher schraubt er sich auf seinen Überlegungen – bis die Kirchenglocken zu läuten beginnen, dann muss er abheben, denn das ist der Klingelton seines Telefons. Das Wort übernimmt ein Techniker-Philosoph, nüchtern und traurig führt er aus, was im Argen liegt, während aus dem Hörer leise schlimmes Gedudel erklingt.