Filmversion eines Vortrags über Hollywoods visuelle Strategien der Unterdrückung der Frau
Da man – und frau erst recht – sehr selten nur vom Filmemachen allein leben kann, unterrichtet die unabhängige US-amerikanische Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Nina Menkes außerdem noch am California Institute of the Arts in Santa Clarita. Dort entstand im Laufe der Jahre mit „Sex and Power, the Visual Language of Oppression“ ein von Filmausschnitten gestützter Vortrag, der dem Zusammenhang zwischen Objektivierung der Frau, Unterdrückung der Frau und Vergewaltigung der Frau innerhalb der Hollywood’schen Albtraumfabrik nachgeht. Auf diesem Vortrag nun beruht Brainwashed: Sex-Camera-Power.
Visuell ist das, sieht man von den Clips aus über 170 Filmen aus den Jahren 1896-2020 einmal ab, wenig aufregend: Menkes adressiert ein Publikum aus Studierenden in einem Kino-/Vortragssaal; sie erläutert die Filmausschnitte und präsentiert ihre Thesen dazu, die wiederum beglaubigt werden von den Talking Heads der begleitend montierten Fachspezialistinnen aus Theorie und Praxis. Zu Wort kommen neben Eliza Hittman und Catherine Hardwicke unter anderem Laura Mulvey, die 1985 in ihrem grundlegenden Aufsatz „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ den Begriff des „male gaze“ geprägt hat, sowie Rosanna Arquette, die von einer erwartbar unerquicklichen Begegnung mit Harvey Weinstein berichtet.
Natürlich ist es immer erhellend, sich die patriarchalen – von den kapitalistischen nicht zu trennenden – Strategien der Manipulation und Oppression vor Augen zu führen und sie kritisch zu durchleuchten; es ist auch notwendig, dies zu tun, nicht zuletzt, um diesen Strategien wenigstens einen Teil ihrer Wirkungsmacht zu entziehen. Aber … so geeignet Menkes’ Arbeitsbegriff des „Shot Designs“ – d.i. die visuelle Darstellung der Frau als weichgezeichneter, fragmentierter, passiver, sprachloser, möglichst nackter Körper – zur Untersuchung eines Mainstream-Filmkorpus auch sein mag, so grobschlächtig wirkt dieses Instrument, wenn es um die Analyse randständiger Werke und Filmsprachen, und erst recht wenn es um die Regiearbeiten von Frauen geht. Ungeklärt bleibt zudem die Abgrenzung zwischen der zu Recht inkriminierten misogynen Darstellung der Frau und der Zensur von Begehren (und Sexualität) nach identitätspolitischen Maßgaben. „Rape culture“ – wobei sich die Frage stellt, was das Wort „culture“ in diesem Kontext verloren hat – wird durch „Cancel Culture“ ja nicht zum Verschwinden gebracht, sondern allenfalls verdrängt.
