Sanft-komische Tragikomödie für Liebhaber der leichten Kinounterhaltung
Britt-Marie reicht es. Sie ist nun 63, ihr ganzes Leben lang war sie mit Kent verheiratet. Kent, der viel arbeitet und für den Fußball, den er passiv als Zusehender hinter dem Fernsehgerät genießt, eine Metapher für das Leben ist. Was an zehn verschwitzten Menschen auf matschigem Feld so lebensnah sein soll, hat Britt-Marie noch nie verstanden. Sehnlichst hat sie sich Anerkennung gewünscht für ihre Bemühungen als Hausfrau – für die perfekt geputzten Räume, die penible Ordnung, die frisch gewaschene Wäsche, das zeitgerecht auf den Tisch gestellte Abendmahl. Bekommen hat sie diese Anerkennung nie. Stattdessen steht sie nun im Zimmer eines Krankenhauses plötzlich dem wahren Grund für Kents Überstunden gegenüber: Camilla – blond, großbusig und geschätzt halb so alt. Nicht, dass Britt-Marie es nicht längst geahnt hätte, sie hat nur bisher weggesehen. „In einer Beziehung muss man lernen, mit den Schwächen des anderen umzugehen“, erklärt sie und zieht den Vergleich zu schweren Möbeln. „Man weiß vom Dreck, der sich darunter sammelt, aber solange die Gäste nichts merken, ist alles in Ordnung“. Jetzt allerdings ist das Möbelstück verrückt und alles kommt ans Licht. „Es ist besser, du sagst jetzt gar nichts“, empfiehlt Britt-Marie ihrem Mann und stopft dessen schmutziges Hemd in die Handtasche, um es ein letztes Mal zu waschen, bevor sie ihren Weg in die Unabhängigkeit antritt. Das erste Mal nach 40 Jahren bewirbt sie sich um einen Job – und wird prompt als Freizeitbetreuung in dem schwedischen Kaff Borg angestellt, wo sie unter anderem eine Gruppe Kinder und Jugendliche trainieren soll – ausgerechnet im Fußball.
Der Stoff, aus dem Britt-Marie war hier gemacht ist, ist weder neu noch innovativ: Hausfrau bricht aus sicherem Hafen der Ehe aus und begibt sich erstmals allein auf Abenteuer. Erst beim diesjährigen Crossing Europe Festival formte der griechische Regisseur Nikos Labôt aus diesen Zutaten ein starkes Sozialdrama mit dem Titel Her Job, Tuva Novotny gelingt dies mit ihrer Roman-Verfilmung leider nicht. Zu klischeehaft sind die Charaktere, zu flach und vorhersehbar die Handlungsstränge. Dabei liefern die Schauspieler – allen voran Pernilla August als Britt-Marie, Malin Levanon als sehbehinderte Unterstützerin und Peter Haber als Kent – durchaus solide Leistungen ab. Allein, sie bewegen sich in seichten Gewässern, denen es an Tiefgang fehlt und die vorwiegend aus lieblichen Bildern und durchschnittliche Dialogen – auch wenn der Score von Ginge Anvik unweigerlich Assoziationen mit jenem von Die fabelhafte Welt der Amelie hervorruft – bestehen.
