Spannender Dokumentarfilm über die Nachteile der Energiesparlampe
Es wird oft behauptet, dass man zu jedem Thema einen spannenden Dokumentarfilm machen kann, aber erst nach Christoph Mayrs Debütfilm über die Konsequenzen einer EU Verordnung ist man davon auch überzeugt. Anhand des Verbots der bislang gebräuchlichen Glühlampen und der zwangsweisen Implementierung der so genannten Energiesparlampen entwirft der Regisseur ein komplexes Gebilde aus Wirtschaftskrimi, Gesundheitsdrama und Politthriller. Wir erfahren, dass sich zwei große Firmen weitgehend das Geschäft mit dem Licht in Europa aufteilen, wie Studien aus Profitgründen manipuliert werden und wie die Politik samt den großen Umweltschutzorganisationen auf den Stromsparzug aufspringen, ohne wichtige Fakten zu den Vor- und Nachteilen der neuen Lichttechnik zu bedenken.
Der Film erinnert im positiven Sinne an einen gut recherchierten, bebilderten „Zeit“-Artikel – mittels Recherchen auf beinahe allen Kontinenten versucht der Filmemacher seine These zu belegen, dass der Energiesparlampenzwang ein großer Fehler der zuständigen EU-Kommission war. Das Gesundheitsrisiko durch freiwerdendes Quecksilber ist enorm, die Energieeinsparung ist um einiges geringer als offiziell angegeben, die Möglichkeit zu einer viel längeren Betriebsdauer bei Glühlampen wird von den großen Firmen nicht weiterentwickelt bzw. einfach unterdrückt und das Licht der neuen Lampen ist sowohl vom ästhetischen als auch vom gesundheitlichen Standpunkt her minderwertig. Kurz gesagt, die ganze Affäre ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus Gründen der Profitmaximierung eine starke Lobby der Industrie die Politik so beeinflusst, das am Ende alle bis auf die Erzeuger draufzahlen.
Natürlich ist dieser Film nicht objektiv, er ergreift eindeutig Partei, manchmal vielleicht mit den falschen Mitteln wie in einer sehr frühen Sequenz, in der ein kahlköpfiger kleiner Junge vorgestellt wird, der angeblich durch die Quecksilberdämpfe einer bei Betrieb zerbrochenen Energiesparlampe schwer erkrankt ist. Ein Arzt erklärt dann zwar, dass das Quecksilber die Krankheit wahrscheinlich „nur“ verschlimmert habe, aber hier bleibt zumindest ein schaler Nachgeschmack, weil in dieser Episode zu wenige Informationen vermittelt werden und man sich wegen der Bilder des kranken Kindes ein wenig manipuliert fühlt. Aber ansonsten funktioniert der Film als aufklärerische Unterhaltung bestens, vor allem, wenn einem Pressesprecher der schöne Satz entschlüpft, dass die EU mithilfe der Maßnahmen das Klima bekämpfen werde. Am Ende wird anhand einer Firma, die leistungsstarke und energiesparende Glühbirnen unter dem Deckmantel ihrer Heizkraft zu vertreiben versucht, sogar zum zivilen Widerstand gegen die allmächtige Bürokratie aufgerufen.
