Die Tragikomödie über einen mit Drogen dealenden Musterschüler will wie ihre Hauptfigur zu sehr gefallen.
Sympathisch ist er nicht gerade, der altkluge Teenager Charlie Bartlett, der trotz reicher Mama von der teuren Privatschule geworfen wird und nun auf eine ganz gewöhnliche öffentliche High School muss. Dort passt er mit Blazer und Aktentasche natürlich so gar nicht hinein, dabei wünscht er sich nichts sehnlicher, als dazu zu gehören. Der Familienpsychologe verschreibt ihm daraufhin erst einmal das Antidepressivum Ritalin. Weil ein Mitschüler das Medikament bald viel besser brauchen kann als er, sieht Charlie plötzlich seine Berufung: Von ahnungslosen Analytikern lässt er sich jede Menge Psychopharmaka verschreiben, die er anschließend auf der Schultoilette verkauft. Als Schulpsychologe und Drogendealer hilft er fortan mit medikamentösem Seelenheil und Lebensweisheiten, und siehe da: Es läuft. Charlie ist endlich populär.
Gespielt wird der Protagonist von Anton Yelchin, einem russischstämmigen Nachwuchsschauspieler, der es mit einer Mischung aus jungenhaftem Charme und großäugiger Naivität schafft, dass man den neurotischen Streber ein bisschen ins Herz schließt. Doch das ist zugleich das Grundproblem des Films: Um den Schnösel sympathisch zu machen, unternimmt Jon Poll in seinem Regiedebüt so ziemlich alles, um beim Zuschauer möglichst nicht anzuecken. Sein High-School-Film orientiert sich dabei mehr als deutlich an Nerd-Tragikomödien wie Rushmore oder Election, aus der Ferne winken noch die Sonderlinge aus Harold & Maude und Ferris Bueller’s Day Off. Doch wo diese Filme subversiv und politisch unkorrekt Teenagerprobleme verhandelten, ist Charlie Bartlett eher amüsant und harmlos, auch wenn er sich von seinen schrägeren Vorbildern ein Panoptikum skurriler Figuren abgeschaut hat. Robert Downey Jr. spielt zurückgenommen selbstironisch den desillusionierten Schuldirektor mit mehr als nur einem Alkoholproblem; für diese Rollen scheint es derzeit keinen Geeigneteren zu geben. Hope Davis wiederum beweist überborderndes Temperament als allein erziehende Mutter mit Villa und Chauffeur, die sich den Sohn als eine Art Ersatzmann hält und ihre Pillen mit Weißwein runterzuspülen pflegt. Wie ein Borderline-Patient hat Charlie Bartlett so ein paar lichte Momente, doch das allzu gefällige Happy End, wenn sich zu Cat Stevens’ Feelgoodklassiker If you want to sing out, sing out alles ganz unironisch zum Guten wendet, wirkt dann doch, als wäre der Film selbst auf einer Überdosis
Antidepressiva hängen geblieben.
