Interessanter Blick auf die Lebenssituation von chinesischen Auswanderern in Österreich im Vergleich zu ihren in der Heimat gebliebenen Freunden
In den achtziger Jahren verließen viele Chinesen auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage ihre Heimat, um im Westen einen höheren Lebensstandard zu erreichen. In einer Provinzstadt wie Qingtian gingen von 500 000 Einwohnern im Lauf der Jahre über 200 000 in alle europäischen Länder, beinahe die Hälfte der chinesischen Restaurants in Österreich wird beispielsweise von Menschen aus dieser Region betrieben. Sehr viele Österreicher haben wohl in den letzten 30 Jahren mit den kulinarischen „Acht Schätzen“ Bekanntschaft gemacht hat, vielleicht hat sich manch einer gefragt, wie die Lebensumstände dieser Minderheit hierzulande sind. In ihrem Debütfilm als Regisseurin begleitet die Kamerafrau Judith Benedikt (Hana dul sed) drei dieser Chinesen, die sich in Wien dauerhaft mit ihren Familien niedergelassen haben. In Interviews aber auch sehr stimmungsvoll dokumentierten Alltagsszenen erschließt sich eine relativ hermetische Welt, die meisten Einwanderer hatten vor ihrem großen Schritt von Österreich bzw. Europa überhaupt keine Vorstellung, sie kamen ohne Besitztümer, ohne ein Wort Deutsch zu können, ohne irgendjemanden außer vielleicht einem entfernten Cousin zu kennen. Die drei Protagonisten – eine Restaurantbesitzerin, der Gründer der Kette „Mr. Lee“ und die Betreiberin eines Social Clubs – stehen exemplarisch für viele Lebenswege in der chinesischen Community. Geschickt verdichtet die Regisseurin in der ersten Hälfte des Films das Bild von aufstiegswilligen, opferbereiten Menschen, die wegen der ständigen Arbeitsüberlastung vor allem wenig Zeit haben – weder für ihre Kinder noch für Deutschkurse. Ganz beiläufig, fast mit einem Lächeln wird die doch eher traurige Tatsache berichtet, dass man kaum Erinnerungen an die ersten zehn Jahre hier außerhalb der Arbeit hat. Im zweiten Teil gewinnt der Film mit der Fokussierung auf die in China gebliebenen Freunde und Verwandten, von denen etliche durch den Wirtschaftsboom mehr Geld angehäuft haben als die Exilanten, eine neue Dimension. Man kommt den Protagonisten auf ihrer Reise in die alte Heimat menschlich viel näher, sei es, wenn sie durch die Eröffnung von einem Viennese Coffehouse von der Hipness von westlichen Klischees bei den Neureichen profitieren wollen oder wenn sie zugeben, keine gute Mutter zu sein, weil ihre Lebensphilosophie die ständige Bewegung ist. Viele humorvolle Culture-Clash-Details, der kluge Einsatz von unterschiedlichen Musikstilen und die gute Kameraarbeit tragen dazu bei, dass man als Zuschauer einen kurzweiligen Einblick in die sehr stark an der Vermehrung des Wohlstands orientierte chinesische Kultur zu Hause und in der Ferne gewinnt.
