Jeder kennt die stets zu Weihnachten wiederkehrenden Familientitel im TV. Doch wie sieht das Feiertagsprogramm in anderen Teilen der Welt aus? Ein Überblick.
Weihnachtszeit ist Fernsehzeit … nicht zuletzt, weil vor dem Fernsehgerät endlich Ruhe ist mit dem Familienzwist. Es sei denn, man streitet sich über die Wahl des Programms – denn selten werden im TV so viele Wünsche auf einmal erfüllt: Die Sissi-Trilogie und Doktor Schiwago für alle, die sich nach etwas Herzschmerz sehnen, Die Hard I bis IV als Guilty Pleasures oder die komplette Herr der Ringe-Trilogie für die Fantasy-Freaks. Dazwischen wird die TV-Premiere eines aktuellen Blockbusters gequetscht und für die etwas älteren Herrschaften eine neue Folge von Das Traumschiff gesendet. Natürlich mit Sascha Hehn. Doch es gibt nur wenige Filme, die alle Familienmitglieder gleichzeitig vor den Schirm locken. Oft kommt auch nur ein ganz spezieller, landestypischer Weihnachtsfilm in Frage, den sich die Mischpoche gemeinsam ansehen kann. Welche Filme das in welchem Land sind, haben wir für diese Geschichte zusammen getragen.
Deutschland
In Deutschland kennt ihn jedes Kind, und viele haben sogar ein Exemplar im Schrank stehen. Kein Wunder, denn niemand lächelt so bezaubernd wie Libuse Safránková in Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, dem deutschen Weihnachtsklassiker schlechthin.
Regie führte der Tscheche Václav Vorlicek, dem wir Märchenfilmklassiker wie Das Mädchen auf dem Besenstiel oder eine großartige Serie wie Der fliegende Ferdinand zu verdanken haben. Und der sich nicht scheute, in der Serie Die Märchenbraut den real existierenden Sozialismus öffentlich zu kritisieren.
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
Tri orísky pro Popelku
DDR-CSSR 1973
Regie Václav Vorlícek
Mit Libuse Safránková, Pavel Trávnícek, Rolf Hoppe, Karin Lesch, Carola Braunbock u.v.m.
Länge 75 Minuten
Frankreich
In Frankreich ist es die filmische Adaption eines Theaterstücks, die an Weihnachten alle vor den Fernseher lockt. Auch wenn Le père Noel est une ordure in anderen Ländern weitgehend unbekannt ist, in Frankreich genießt er absoluten Kultstatus. Rund um die Ausstrahlung werden sogar Partys veranstaltet, auf denen die Gäste Passagen des Films zitieren und sich mit entsprechenden Accessoires ausstatten. Angesichts des Chaos, in das die Crew einer Telefonseelsorge gerät, würde selbst Inspector Clouseau blass werden.
Da graust sich ja der Weihnachtsmann
Le père Noel est une ordure
FR 1982
Regie Jean-Marie Poiré
Mit Josiane Balasko, Marie-Anne Chazel, Christian Clavier, Gérard Jugnot, Thierry Lhermitte u.v.m.
Länge 88 Minuten
Schweden
Ingmar Bergman ist bekanntlich alles andere als ein Wohlfühlfilmregisseur – auch der schwedische Weihnachtsklassiker Fanny und Alexander ist nicht dazu angetan, die Stimmung zu heben. Düster, mythisch, drückend erzählt er die Geschichte des kleinen Alexander, der bis zum Tod seines Vaters in einem liberalen Künstlermilieu aufwächst, sich durch die Neuvermählung seiner Mutter mit einem Bischof jedoch plötzlich mit der Brutalität eines puritanischen Haushaltes konfrontiert sieht. Bergman spielte mit dem Film auf seine eigene Kindheit in einem streng religiösen Elternhaus an. An Weihnachten definitiv ein Melancholie-Verstärker!
Fanny und Alexander
Fanny och Alexander
SE/FR/DE 1982
Regie Ingmar Bergman
Mit Bertil Guve, Pernilla Allwin, Börje Ahlstedt, Jan Malmsjö, Allan Edwall, Ewa Fröling u.v.m.
Länge 188 Minuten (Kino) bzw. 312 Minuten (TV-Fassung)
Russland
Da in Sowjet-Russland das Feiern von religiösen Festen verboten war, haben sich hier viele weihnachtliche Bräuche auf den Silvesterabend verschoben. Diesen feiert man traditionell mit geschmücktem Tannenbaum und Festschmaus im Kreis der Familie; Geschenke werden nicht vom Christkind, sondern von Väterchen Frost und seiner Enkeltochter Schneeflöckchen gebracht. Und noch etwas darf beim russischen Silvesterfest nicht fehlen: Die Ironie des Schicksals. Die bizarre TV-Liebeskomödie, in er sich ein junger, betrunkener Mann irrtümlicherweise in die falsche Wohnung verirrt und daraufhin eine wahres Beziehungschaos lostritt, ist in Russland ein Kultfilm.
Die Ironie des Schicksals, oder Genieße Dein Bad!
Ironiya sudby, ili S lyogkim parom!
UdSSR 1975
Regie Eldar Ryazanov
Mit Andrey Myagkov, Aleksandr Shirvindt, Barbara Brylska, Yuriy Yakovlev u.v.m.
Länge 184 Minuten
Türkei
Der Islam kennt bekanntlich kein Weihnachts-, dafür aber das Opferfest, das zum Höhepunkt der Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka, zu Ehren des Propheten Abraham begangen wird. Und auch für diesen Festtag gibt es einen Filmklassiker: die britische Ko-Produktion Mohammed – Der Gesandte Gottes mit dem Amerikaner Anthony Quinn in einer der Hauptrollen. Ein Monumentaldrama in Bestform, das für entspannte drei Stunden zwischen den Jahren sorgt.
Mohammed – Der Gesandte Gottes
The Message
Libanon/Libyen/Kuwait/Marokko/GB 1977
Regie Moustapha Akkad
Mit Anthony Quinn, Irene Papas, Michael Ansara, Michael Forest, Johnny Sekka u.v.m.
Länge 177 Minuten
USA
It’s a Wonderful Life ist unter dem Titel Ist das Leben nicht schön? auch in deutschen Landen als X-mas-Classic bekannt. Frank Capras Schmonzette wartet bis heute mit allem Rührenden auf, was einen kalt-warmen Weihnachtsfilm auszeichnet: Liebe, Leid, der Kampf zwischen Gut und Böse und ein kitschiges Happy End. James Stewart als ewiger Gutmensch ist ebenso famos wie Lionel Barrymore als Bösewicht Henry F. Potter.
Ist das Leben nicht schön?
It’s a Wonderful Life
USA 1946
Regie Frank Capra
Mit James Stewart, Donna Reed, Lionel Barrymore, Thomas Mitchell, Henry Travers u.v.m.
Länge 130 Minuten
Nahezu weltweit
In deutschsprachigen Ländern kennt ihn kaum jemand, doch in den meisten anderen ist er Kult: die Verfilmung des Musicals „The Sound Of Music“. Der Film basiert zum größten Teil auf der Lebensgeschichte der österreichischen Familie Trapp, die Ende der 1930er Jahre vor den Nazis in die USA flüchtete und dort als Trapp Family Singers berühmt wurde. Wegen seiner Popularität gehört der The Sound of Music-Soundtrack bis heute zum Zitatenfundus der Popmusik und wird von Songwritern immer wieder gern aufgegriffen und remixt. Bis heute profitiert der österreichische Tourismus von dieser Produktion und veranstaltet regelmäßig Sightseeing–Touren zu den damaligen Drehorten. Opulent, melodramatisch und absolut familientauglich.
Meine Lieder, meine Träume
The Sound of Music
USA 1965
Regie Robert Wise
Mit Julie Andrews, Christopher Plummer, Richard Haydn, Peggy Wood, Eleanor Parker u.v.m.
Länge 174 Minuten
Kleine Auswahl der besten Anti-Weihnachtsfilme
Bad Santa (USA/DE 2003)
So einen schlechten Weihnachtsmann wie Billy Bob Thornton hat man selten gesehen. Denn anstatt sich brav die Wünsche der Kinder anzuhören und für ein Foto zu lächeln, beschimpft er seine kleinen Gäste auf die übelste Art und Weise. Abends, wenn die Arbeit erledigt ist, raubt er zusammen mit seinem Freund Marcus die Kaufhäuser aus, in denen er zuvor den Weihnachtsmann mimte. Erst als er den kleinen Thurman kennenlernt, beginnt sich seine Einstellung zum größten Fest des Jahres zu ändern. Skurril, komisch und irgendwie auch weihnachtlich.
Regie Terry Zwigoff
Mit Billy Bob Thornton, Tony Cox, Brett Kelly, Lauren Graham, Lauren Tom u.v.m.
Länge 91 Minuten
Single Bells (DE/AT 1997)
Xaver Schwarzenbergers Single Bells und die Fortsetzung O Palmenbaum (2000) darf sich kein Weihnachtsmuffel entgehen lassen. Denn nach diesen beiden Filmen weiß man wieder ganz genau, warum man an Weihnachten lieber in den eigenen vier Wänden verbringt, anstatt mit Mama und Papa um den Weihnachtsbaum zu sitzen. Ob dezente Hinweise der Mutter, dass man doch endlich mal Nachwuchs in die Welt setzen sollte oder aufmunternde Worte der Schwester, dass es für jeden Topf auch einen Deckel gibt: In diesen beiden Filmen wird kein familiäres Horrorszenario ausgelassen. Schwarzhumorig unterhaltsam.
Regie Xaver Schwarzenberger
Mit Martina Gedeck, Gregor Bloéb, Erwin Steinhauer, Mona Seefried, Inge Konradi u.v.m.
Länge 90 Minuten
Santa Claus Conquers the Martians (USA 1964)
Allein schon die Kurzfassung dieses Films lässt erahnen, was sich dahinter verbirgt: Marsmännchen entführen den Weihnachtsmann, um ihren Kindern auch ein wenig weihnachtliche Stimmung ins Haus zu bringen. Zu diesem absonderlichen Inhalt passt eine ebenso absonderliche Filmkulisse und Filmsternchen Pia Zadora in ihrer ersten Rolle. Ein Muss für alle Freunde von Bad-Taste-Movies, denn so schlecht gekleidete grüne Männchen bekommt man nirgendwo sonst zu sehen.
Regie Nicolas Webster
Mit John Call, Leonard Hicks, Vincent Beck, Pia Zadora, Ned Wertimer u.v.m.
Länge 81 Minuten
