New Mexiko, 1873: Brave Siedler, tapfere Apachen und dreiste Gesetzlose sehen sich in Jon Favreaus überraschend bodenständigem Genre-Pastiche „Cowboys & Aliens“ einer hässlichen und brutalen Macht gegenüber: skrupelloser Goldgier from Outer Space.
Sheriff Taggart hat den missratenen Sohn des mächtigen Ranchers Dolarhyde (Harrison Ford) verhaftet, der mal wieder für Unfrieden in dem kleinen Städtchen Absolution gesorgt hatte. Danach hat er gleich noch einen Fremden ohne Namen und ohne Gedächtnis inhaftiert, der eben erst eingeritten war und sich als „Most Wanted Man“ Jake Lonergan (Daniel Craig) erwies. Die beiden sollen mit der Postkutsche zur nächstgelegenen Gerichtsbarkeit verbracht werden, als Rancher Dolarhyde sich einfindet und auf der sofortigen Herausgabe seines Sprösslings besteht, sonst … Man steckt also gerade tief mitten drin in einer Rio-Bravo-Situation, als sich am Himmel von der Ferne her Lichter nähern und gleich darauf ein schreckliches, nie gesehenes Chaos ausbricht: Unbekannte Flugobjekte fischen wahllos Mitglieder der Gemeinde vom fest geglaubten Erdboden, alles rennet, rettet, flüchtet. Und sammelt sich alsbald zur Gegenwehr.
„Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum niemals jemand zuvor diesen Einfall gehabt hat“, meint Steven Spielberg, einer der ausführenden Produzenten von Jon Favreaus Cowboys & Aliens, über seine erste Reaktion auf das Projekt. Mit dieser Frage ist er nicht allein. Die Kombination von Cowboys und Aliens hat etwas unmittelbar Einleuchtendes, dergestalt, dass die Filmrechte an Scott Mitchell Rosenbergs gleichnamiger Graphic Novel bereits verkauft waren, noch bevor diese überhaupt fertiggestellt war. Und doch dauerte es nach dem Erscheinen des Comic-Romans 1997 noch über zehn Jahre, bis aus der Idee ein Drehbuch entstand und aus dem Drehbuch schließlich ein Film wurde. Es ist dann nämlich doch ein Unterschied, ob man im Kinderzimmer Spielfiguren aus verschiedenen Kosmen gegeneinander antreten lässt, schlicht weil sie sich im Fundus befinden. Oder ob man etliche Millionen Dollar in einen Hollywood-Film investiert, der diese kindliche Konfrontations-Idee mit Starbesetzung und Special Effects im großen Stil aufbereitet.
Naheliegend wäre, sich einen Spaß aus der Sache zu machen und die Begegnung von Colt und Laser, Ross und Raumschiff als eine jener Meta-Komödien zu inszenieren, die augenzwinkernd mit dem Besserwissen des Publikums paktieren und das Treiben auf der Leinwand lediglich auf seine Gag-Tauglichkeit hin durchexerzieren. Nicht so Cowboys & Aliens, der den ernsthaften Versuch unternimmt, die Genres Western und Science Fiction (Untergruppe: Alien-Invasion) auf erzählerischer Ebene miteinander zu kombinieren, ohne dabei die Regeln des einen oder des anderen zu brechen. Das ist ein interessantes, um nicht zu sagen: mutiges Experiment, und auch, wenn man sich in den USA vom Ergebnis wenig begeistert zeigte, es darf durchaus als gelungen gelten.
Zwar geht Favreau nicht so weit, die mentalitätsgeschichtlichen Implikationen einer derart Kontext-versetzten Begegnung der Dritten Art zu thematisieren. Innerhalb des gewählten dramaturgischen Rahmens aber ist Cowboys & Aliens nicht nur unterhaltsam, sondern immer wieder auch sehr anrührend. Und wer will, der kann in der aus dem All herabgekommenen Goldgier, welche die Aliens repräsentieren, auch das unheilige Wirken des Teufels erkennen.
