Stimmige Adaption eines erfolgreichen Jugendbuchs
Das Leben auf dem vermeintlich geruhsamen Land gewinnt – glaubt man diversen Trendforschern – für vom Großstadt-leben geplagte Menschen zunehmend an Attraktivität. Wenn man aber wie Hendrik gerade einmal 16 Jahre alt ist und von der alleinerziehenden Mutter samt dem jüngeren Bruder aus dem Leben in einer deutschen Metropole samt allen damit verbundenen Vorzügen in ein kleines, an der Grenze zu Slowenien befindliches Kärntner Dorf verfrachtet wird, erscheint die Sache weniger verheißungsvoll. Dass die Dorfjugend den Neuankömmling mehrheitlich nicht gerade herzlich willkommen heißt, kann man noch als Startschwierigkeit ansehen. Doch auch das neue Heim in Gestalt eines auf den ersten Blick gemütlich-rustikal erscheinenden Hauses birgt – ganz abgesehen von der mangelhaften WLAN-Verbindung – unliebsame Überraschungen. Als sein kleiner Bruder eines Nachts in einen tranceartigen Zustand verfällt und mysteriöse Symbole in die Wand ritzt, beginnt Hendrik der Geschichte des Hauses auf den Grund zu gehen und findet bald dessen düsteres Geheimnis heraus. Vor vier Jahrzehnten soll eine damals dort wohnende Frau ihre beiden Söhne vergiftet und dann Suizid begangen haben, die gequälten Seelen spuken offenbar noch immer in den Räumlichkeiten herum.
Mit der Adaption des gleichnamigen Jugendbuchs von Martina Wildner hat Daniel Geronimo Prochaska seinen ersten Kinofilm in Szene gesetzt. Prochaska, der seine Karriere als Editor – dabei zeichnete er für den Schnitt von etlichen Regiearbeiten seines Vaters Andreas, der in der heimischen Produktionslandschaft in Sachen gehaltvoller Genrearbeiten hohe Maßstäbe gesetzt hat und spätestens mit der Serie Das Boot auch international in der Topliga spielt, verantwortlich – begonnen und mit der TV-Produktion aus der Reihe „Stadtkomödie“ Geschenkt seine erste eigene Inszenierung fertigte.
Daniel Prochaska variiert in Das schaurige Haus mit Blickrichtung auf ein jugendliches Publikum wohl dosiert Mystery-, Krimi- und Coming-of-Age–Elemente, unterlegt mit einem Schuss Humor. Mit gutem Timing und dem notwendigen Sensorium für die Zielgruppe – ohne sich aber damit ausschließlich an diese zu richten – versteht es der Regisseur, die diversen Spannungsbögen effektiv zu entwickeln. Dass manche Charaktere ein wenig eindimensional gezeichnet erscheinen, wird durch eine stimmige, vom Erzählrhythmus her stets präzise Inszenierung weitgehend verdeckt. Für versierte Filmfreunde hält Das schaurige Haus zudem auch den einen oder anderen Insiderwitz – wie einen Verweis auf Das Wunder von Kärnten, einen der angesprochenen von Andreas Prochaska inszenierten und von Daniel montierten Filme – bereit, einem unbeschwerten Kinovergnügen für die ganze Familie sollte also nichts mehr im Wege stehen.
