Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Filmkritik

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

| Benjamin Moldenhauer |
Die Verfilmung von John Greens Bestseller adaptiert die Geschichte zweier sterbender Teenager behutsam und macht dabei alles richtig.

Das hätte auch schiefgehen können. John Greens Roman „The Fault in Our Stars” ist eines der meistgelesenen Jugendbücher der letzten Jahre. Die Fangemeinde ist in Aufruhr, die Erwartungen sind groß. Das Buch bedeutet vielen Leuten eine Menge, das Eis ist dementsprechend dünn; zumal die Geschichte von Hazel Grace Lancaster und Augustus Waters, zwei an Krebs erkrankten Teenagern, die sich ineinander verlieben, nicht ohne Kitschpotenzial ist. Dass eine der beiden Hauptfiguren im Verlauf der Erzählung sterben wird, ahnt der mit dem Genre der Krebsliteratur vertraute Leser bereits nach den ersten Seiten. Die Fallhöhe ist enorm, das unabwendbare Ende verleiht der Teenager-Liebe ein Riesengewicht. Und tatsächlich geht es von der ersten Minute an ums große Ganze: die Frage nach dem was bleibt, die Frage nach dem Sinn, die Frage nach dem Wert von etwas, dessen Ende absehbar und unabwendbar ist.

So eine Geschichte so zu inszenieren, dass sie nicht in existentialphilosophische Banalitäten abdriftet, ist eine Kunst. Dass die falschen Gefühle auch auf der Leinwand vor der Tür gehalten werden, liegt zuerst an den beiden großartigen Hauptdarstellern Shailene Woodley und Ansel Elgort. Der Film bietet – Laura Dern und Willem Dafoe spielen zentrale, aber doch Nebenrollen – kein Starkino, sondern lebt vom Charme seiner jungen, noch weitgehend unbekannten Schauspieler. Die Deutungshoheit haben hier, wie in jedem gelungenen Jugendfilm, nicht die Erwachsenen, sondern die Jungen. Und so bekommt der versoffene Schriftsteller (Dafoe), dem außer Zynismus als Waffe gegen den Tod nicht mehr viel geblieben ist, von Hazel Grace auf seine allzu belesenen Welterklärungsversuche denn auch die beste mögliche Reaktion zu hören: „Fuck you.“

The Fault in Our Stars erzählt, ähnlich wie Christoph Schlingensief in seinem Krebstagebuch, vom Kampf um Autonomie, der hier bedeutet, dass man sich auch dann dazu entscheidet zu lieben, wenn es keine Zukunft gibt. Das kleine Wunder, das dieser Film für den Zuschauer bereithält, ist, dass er es ihm erlaubt, um und mit den Figuren zu trauern, ohne dass er sie bemitleiden könnte. John Greens Text hat den richtigen Ton getroffen, und dem Film gelingt es, in diesem Punkt nah an seiner Vorlage zu bleiben. Das Ganze kippt weder in Publikumsfolter noch in wohlfeile Rührseligkeit. Vom Mitleid, das machen in The Fault in Our Stars alle unheilbar Kranken ihren Mitmenschen und dem Publikum unmissverständlich klar, zehren nur die Gesunden.