Verfilmung von Josef Haslingers Roman über den Umgang mit Schuld und Sühne
Es gibt Regisseure, die streng genommen jedes Mal den gleichen Film drehen. Michael Glawogger hält augenscheinlich nichts davon. Seine Filmografie, pendelnd zwischen universeller Authentizität (Megacities) und halluzinogenen Lustspielen (Contact High), verbietet sich jede Schubladisierung. Mit Das Vaterspiel wagt sich der Grazer an eine komplexe Literaturvorlage: Autor Josef Haslinger seziert darin die Familie als Hort der Lüge und Verdrängung und verbindet dies mit den dunklen Schatten der NS-Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht Ratz, 35 Jahre alt, Ministersohn und Scheidungskind, wohlstandsverwaist. Seinen Hass gegen den übermächtigen Vater versucht er durch ein selbst programmiertes PC-Vater-Vernichtungsspiel zu kompensieren. Da kommt ein Anruf seiner ehemaligen Studienkollegin Mimi gerade recht: Ratz folgt ihr nach New York, wo sie ihn um einen nicht alltäglichen Gefallen bittet. Er soll den Keller, in dem sich ihr Großvater, ein ehemaliger Nazi-Kriegsverbrecher, versteckt hält, renovieren.
Haslingers Schilderung einer kaputten, an der Dominanz des Vaters zugrunde gehenden Familie würde schon genug Stoff für die Leinwand hergeben. Doch Michael Glawogger lässt nichts ausgespart: Auf verschiedenen zeitlich wechselnden Ebenen werden von Heuchelei der politischen Klasse über den Umgang der Nachgeborenen mit der Schuld ihrer Eltern bis zum Gewalteinfluss von PC-Spielen sämtliche Brennpunkte gestreift. Das Hauptaugenmerk gilt aber – trotz dramaturgischer Nebenfahrbahnen, die bisweilen in eine Sackgasse führen – der Aufarbeitung der NS-Zeit: Obwohl Ratz’ Großvater selbst ein KZ-Opfer war, weckt der schweigende, mieselsüchtige Mann im Keller Mitleid in ihm. Es gehe ja schließlich um nichts mehr. Die Gedankenwelt der Hauptfigur, die – aufgeputscht durch Marihuana-Trips – in schwitzenden Tagträumen zu explodieren droht, erhält in Flashbacks, CGI-Effekten und düsteren Toncollagen ihre befremdlich ungemütliche Umsetzung. Doch sind es just jene minimalistisch gehaltenen Szenen, in denen der ehemalige Nazi-Häftling Jonas Shtrom die Leidensgeschichte seines ermordeten Vaters schildert, die tatsächlich hängen bleiben. Der vor einer kahlen Wand dargebrachte trockene Monolog des Vernommenen (beeindruckend: Ulrich Tukur), der sich von seinen Erinnerungen befreien und den Mörder dingfest machen will, fesselt weitaus stärker als die sich gegenseitig in die Quere kommenden Handlungsstränge. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.
