Willkommene Revision stereotyper Geschlechterrollen
Es beginnt mit einer Rückblende, in der ein Vater (Colin Quinn) seinen Töchtern mit einer Puppenmetapher erklärt, warum „Monogamie nicht realistisch“ ist und er eine Scheidung braucht. „You wouldn’t want to be stuck playing with just one doll for the rest of your life, right?“
Während Amys Schwester Kim (Brie Larson) diesen Rat ignoriert und eine Familie gründet, adaptiert Amy (Amy Schumer) das Modell ihres Vaters. Sie ist vulgär, hat Sex mit Fremden und vereitelt jene Stereotypen, was Frauen wollen. Sie beschwert sich, dass der Schwanz eines Kerls zu groß ist, ein anderer performt zu viel Oralverkehr an ihr. Amy arbeitet für ein New Yorker Männermagazin mit Schlagzeilen wie „Does garlic change the taste of semen?“, da beauftragt ihre Chefin sie (wieder einmal unersetzlich im Chamäleon-Modus Tilda Swinton), eine Geschichte über einen liebevollen Sportarzt (Bill Hader) zu schreiben, und bevor man sagen kann „Wie werde ich ihn los in zehn Tagen?“, sind die beiden ein Paar.
Im Kern ist Trainwreck eine romantische Komödie mit der obligatorischen letzten großen Geste im dritten Akt. Alle Klischees sind da, nur die Geschlechter, die sie bewohnen, sind das Gegenteil von dem, was uns Film und TV eingetrichtert haben. Es sind die Männer, die kuscheln wollen und die Frauen, die keine Lust auf Nähe haben. Die für Frauen typischen Rollen werden von Athleten wie Basketball-Superstar LeBron James verkörpert, und es gibt auch ein feines Kleinod in Form eines Films im Film mit Marisa Tomei und Daniel Radcliffe. Schumer und Hader sind zum Teil deshalb so ansprechend zusammen, weil sie nicht aus dem Standard-Liebesfilm-Holz geschnitzt sind.
Dies ist Judd Apatows erstes Projekt als Regisseur, das er nicht selbst geschrieben hat (sondern die großartige Amy Schumer), und Trainwreck unterscheidet sich deutlich von seinen vergangenen Arbeiten. Die Stimme einer weiblichen Hauptfigur macht diesen dringenden Wechsel möglich. Wie oft haben wir die von ihm gepflegten Man-Babies durch eine Identitätskrise gehen sehen. Es gibt Szenen, die ewig weitergehen (auf Kosten der Dramatik) und Szenen, die keinen Sinn machen, ja Apatow begeht gegen Ende sogar auf eine gewisse Art und Weise Verrat an seiner Hauptfigur, aber obwohl Trainwreck nicht perfekt ist, fühlt es sich radikal an für einen Film, der so tief in Vertrautem schwelgt. Wir verzeihen unseren weiblichen Hauptfiguren immer noch nicht die „Verbrechen“, die wir unseren männlichen Helden erlauben, aber mit Amy Schumer sind wir dem zum Glück schon einen Schritt näher.
