Deepwater Horizon

Filmkritik

Deepwater Horizon

| Alexandra Seitz |
Deepwater Horizon ist Katastrophenfilm, der die Bezeichnung nicht nur verdient, sondern sie im Wortsinn eindrücklich umsetzt

Und am Ende fliegt ihnen dann natürlich alles um die Ohren. Weil mal wieder keiner auf den anderen hatte hören wollen. Weil die einen es wieder einmal besser wussten. Weil es um Geld ging, viel Geld. Und schließlich war es bislang ja immer gut gegangen, also wieso sollte es ausgerechnet jetzt schief gehen? Tja. Milchmädchenrechnungen, die am 20. April 2010 dazu führten, dass die Tiefsee-Ölbohr-Plattform „Deepwater Horizon“ in die Luft flog, wobei, und das war nur der Anfang, elf Menschen ums Leben kamen. Dann die bekannten Folgen, die da wären: Drei Monate lang flossen täglich unzählige Barrel Öl ins Meer, töteten unzählige Vögel, erstickten unzählige Meereslebewesen, vergifteten ein Ökosystem auf unzählige Jahre hinaus, vernichteten die Ökonomie eines ganzen Landstrichs. Armut und Tod millionenfach in Folge von Profitgier und Nachlässigkeit. What else is new?

Eben. Peter Berg erzählt in Deepwater Horizon sozusagen einen bekannten alten Hut – aber auf eine Weise, die nichts weniger als erstaunlich ist. Man weiß, wie es ausgeht, aber so hat man das noch nicht gesehen. Mit dieser dokumentarischen Sorgfalt und erzählerischen Nüchternheit, mit dieser Konzentration auf die Kausalität der Abläufe, vor allem aber mit dieser Aufmerksamkeit für das Material und die Kräfte, die auf das Material wirken. Denn es bleibt hier nichts abstrakt. Eine Zwei-Zentner-Schraube strahlt das ganze schreckliche Zertrümmerungs-Potenzial einer Zwei-Zentner-Schraube aus und nicht die Pseudo-Drohung eines grau angestrichenen Werkstücks aus Styropor.
Mit geradezu wissenschaftlicher Präzision richtet sich Bergs Blick auf das Setting und macht es zur neutral betrachteten Versuchsanordnung. Masse und Massivität des riesigen Metallkörpers mitten im Meer werden in diesem Blick ebenso spürbar wie die Verletzlichkeit der auf ihm agierenden Menschlein in ihren Blaumännern oder Anzügen und mit ihren Plastikhelmchen auf den Köpfen. Den Gewalten, die alsbald schon entfesselt sein werden, sind sie schutzlos ausgeliefert. Und so drückt es einen immer wieder regelrecht in den Sitz, wenn sich die auf der Leinwand abgebildeten physikalischen Verhältnisse auf den eigenen Körper übertragen. Das alles im übrigen ohne 3D, und ohne im Special-Effects-Overkill abzusaufen!

Berg ist mit Deepwater Horizon nicht nur ein Katastrophenfilm der alten Schule gelungen, sondern ein Muster-Einser-Schüler. Nur wahr hätte er nicht zu sein brauchen.