In Jean-Marc Vallées Drama „Demolition“ kompensiert ein Mann den Tod seiner Frau auf äußerst unkonventionelle Weise.
Schon früh in Jean-Marc Vallées neuem Film Demolition gibt es einen seltsamen Moment, in dem Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal) sich in einem Badezimmer zu sammeln versucht. Er ist für einen Augenblick der Beerdigung seiner Frau entkommen und blickt angestrengt in den Spiegel. Seine Züge verkrampfen, doch die Falten glätten sich sofort wieder, sein Gesicht wird ausdrucksleer, und wir erkennen, dass er lediglich übt zu weinen. Ganz offensichtlich kann Davis mit dem Tod seiner Frau (Heather Lind) nicht so umgehen, wie es von ihm erwartet wird. Er ist ein Wall-Street-Investmentbanker, dessen angenehme, aber leere Existenz aufgerüttelt wird, als seine Frau Julia bei einem Autounfall ums Leben kommt, der ihn körperlich und seelisch unversehrt lässt.
Während sein Schwiegervater Phil (Chris Cooper) im Krankenhaus zusammenbricht, ist Davis im Wartezimmer mit einem defekten Automaten beschäftigt, der ihm eine Tüte Schoko-Erdnüsse verwehrt. Leicht irritiert von der Gefühllosigkeit seines Schwiegersohns, ermutigt Phil, der auch sein Chef ist, ihn dazu, sein Leben zu überdenken. „Mit dem Herzen verhält es sich so wie mit einem Auto“, erzählt er. „Wenn du es reparieren willst, dann musst du es zuerst auseinandernehmen, bevor du es wieder zusammensetzen kannst.“ Eine Floskel, die Davis wörtlicher nehmen wird, als es beabsichtigt war. Und so fährt er fort, um mit Schraubendreher, Vorschlaghammer und Brechstange zuerst seinen Kühlschrank, seinen Bürocomputer und schließlich sein schickes Vorstadthaus zu demontieren. Er beginnt eine Reihe von Briefen an die Automatengesellschaft zu schreiben, beschwert sich über den Vorfall im Krankenhaus und beginnt darin ins Detail über sein Leben zu gehen, ja er gibt sogar zu, seine Frau nie wirklich gekannt zu haben. Schließlich erhält er eine Antwort von einer Kundendienstmitarbeiterin (Naomi Watts), die – sichtlich bewegt von seiner direkten Art – ihre eigene Obsession bezüglich Davis entwickelt. Sie hat einen unflätigen Sohn im Teenageralter namens Chris (Judah Lewis), ein griesgrämiges, verwirrtes Kind, das eine Vaterfigur braucht und eine verwandte Seele in Davis finden wird. Was folgt, ist das versöhnliche Porträt eines Mannes, entfremdet von einer Welt, die er nur durch grobe Metaphern spüren kann.
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